Hochschulrektorenkonferenz zu Studi-Protesten "Man musste auch früher zügig studieren"


Ein bisschen Verständnis und viel Kritik - die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, hat ihre eigene Sicht auf die Studentenproteste. Es gebe "wenig konkrete Forderungen", zudem sei vielen "offenbar nicht ganz klar", dass auch früher zügig studiert wurde.

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, hat Mängel bei der Umsetzung des Bologna-Reformprozesses an den deutschen Hochschulen eingeräumt, die Studentenproteste der vergangenen Wochen aber zugleich kritisiert. "Ich kann verstehen, wenn die Studierenden sich um ihre Studienbedingungen kümmern und wenn sie da durchaus auch protestieren", sagte sie dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur (DPA). "Mein Eindruck ist aber derzeit, dass es wenig konkrete Forderungen gibt, sondern eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Studiensituation. Das macht mir schon Sorgen."

Zugleich appellierte sie in der "Thüringer Allgemeinen" auch an die Vernunft der Studierenden. "Man musste auch früher zügig studieren, wenn man schnell und vernünftig einen Abschluss haben wollte, das ist vielen Studierenden offenbar nicht ganz klar", sagte Wintermantel.

"Wir haben an einigen Stellen durchaus Probleme"

Allerdings sei der Bologna-Prozess, in dessen Folge die meisten Studiengänge auf die zweistufige Struktur von Bachelor und Master umgestellt wurden, noch nicht überall zum Erfolg geführt worden. "Wir haben an einigen Stellen durchaus Probleme in Studiengängen mit zu hoher Stoffdichte und Prüfungsbelastungen", sagte Wintermantel. Dies sei aber nicht flächendeckend der Fall, "mit den meisten Studiengängen sind die Studierenden zufrieden". Die Hochschulen seien dabei, alle ihre Studiengänge auf Probleme hin zu überprüfen. "Wo wir den Eindruck haben, dass die Arbeitsbelastung zu groß ist, wird der Umfang der Module überprüft und die Anzahl der Prüfungen".

Zudem forderte die HRK-Präsidentin mehr Geld von den Ländern für mehr Lehrpersonal. "Laut Wissenschaftsrat brauchen wir 15 Prozent mehr Finanzausstattung", sagte Wintermantel.

Weil die Hochschulrektorenkonferenz an diesem Dienstag in Leipzig tagt, wollen mehrere tausend Studenten vor Ort für bessere Studienbedingungen und gegen Studiengebühren demonstrieren. Nach Angaben des Studentenrats der Universität Leipzig werden Studenten aus dem ganzen Bundesgebiet zur Demonstration erwartet. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es bundesweit Protestaktionen an zahlreichen Hochschulen gegeben.

DPA/AP AP DPA

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