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Höhere Strompreise: Ein Volk voller Ökos

Die Öko-Branche kontert die Kritik an den steigenden Strompreisen - mit Sprüchen und mit Zahlen. Laut einer Greenpeace-Umfrage wollen fast alle Deutschen Ökostrom, Funktionäre finden die Aufregung ungerecht, und der Verband der Windenergie hat eine ebenso einfache wie wahre Erkenntnis.

Die Aufregung um steigende Strompreise treibt die Öko-Branche in die PR-Offensive. Greenpeace ließ am Freitag eine Umfrage verbreiten, nach der fast alle Bundesbürger ihren Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen beziehen wollen. Ökostromverbände verteidigten die hohen Investitionen.

Die Stromkunden in Deutschland müssen im kommenden Jahr für die Förderung des Ökostroms deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Umlage des Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) steigt 2011 auf 3,530 Cent je Kilowattstunde von 2,047 Cent in diesem Jahr. Auf einen Musterhaushalt kommt eine Verteuerung von etwa 70 Euro im Jahr zu. Grund ist die Nachfrage-Explosion bei Solaranlagen. Sie werden vom Bund gefördert, die Subventionen über die Einspeisung ins Stromnetz wieder reingeholt. Und diese steigen immens - von derzeit knapp 17 Milliarden auf rund 22 Milliarden Euro 2011. 2009 hatte das Volumen der Solar-Förderung noch bei 14,3 Milliarden Euro gelegen. Bei vielen Kommentatoren kommt dies gar nicht gut an. "Teurer Öko-Wahnsinn", schrieb beispielsweise die "Rheinische Post".

"Jeder Euro der in die Erneuerbaren investiert wird, hat einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen, auch bei dieser Höhe der Umlage", sagte BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Die Ökoenergien seien nicht allein der Preistreiber beim Strom, sagte Klusmann. Seit dem Jahr 2000 sei der monatliche Strompreis für einen Durchschnitts-Haushalt um 30 Euro gestiegen, die Kosten für die EEG-Umlage aber nur um 5 Euro. Der Ausbau der Öko- Energien habe starke Dämpfungseffekte auf den Einkaufspreis für den Strom, die dann aber häufig nicht ausreichend an die Verbraucher weitergegeben würden. Zudem seien 2009 Brennstoffimporte in einer Größenordnung von 2,2 Milliarden Euro vermieden worden. "Es ist ein Irrglaube, dass keine Zusatzkosten entstehen, wenn der Ausbau der Erneuerbaren gestoppt würde", sagte Klusmann. "Dann müsste in konventionelle Kraftwerke investiert werden, die zudem versteckte Kosten in Milliardenhöhe produzieren würden."

Ein Volk von Ökostrom-Fans

Die Bürger muss der Verbandsmann aber offenbar gar nicht mit derartigen Argumenten überzeugen. Vertraut man einer TNS-Emnid-Umfrage unter 1001 Teilnehmern, so sind die Deutschen ein Volk von Ökostrom-Fans. 86 Prozent der Bundesbürger halten es in der von Greenpeace in Auftrag gegebenen Studie für wichtig bis sehr wichtig, dass Deutschland seine Stromversorgung vollständig auf Erneuerbare Energien umstellt. Nur 35 Prozent glauben, dass für eine vollständige Ökostromversorgung eine Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke notwendig ist.

Schlussfolgerung vom Greenpeace-Energieexperten Andree Böhling: "Die Menschen in Deutschland wollen einen schnellen und konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien." Allerdings: Nur die Hälfte der Haushalte ist laut der Umfrage auch bereit, für den Strom deutlich mehr Geld auszugeben als bisher. Sie sollten beherzigen, was der Bundesverband Windenergie nüchtern schlussfolgert: "Klimaschutz hat seinen Preis."

ben/DPA / DPA
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