Integration Der Gipfel vor dem Gipfel


Vertreter von Migranten-Organisationen fühlen sich beim Integrations-Gipfel nicht ausreichend repräsentiert. Deswegen organisieren sie eigenen Gipfeltreffen in Köln und in Berlin.

Mit Einladungen ist das so eine Sache. Wenn die Gästeliste nicht sorgfältig überlegt ist, wird die ganze Party nichts. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat für Freitag zum Integrationsgipfel nach Berlin geladen. Doch bereits im Vorfeld gibt es Ärger. Vertreter von Migranten, vor allem von muslimischen Organisationen, fühlen sich nicht genug verteten. Sie wurden zu Vorgesprächen eingeladen, aber nicht zum eigentlichen Gipfel.

"Wir sind enttäuscht", sagte Yasar Bilgin, 56, zu stern.de. Biligin ist Vorsitzender des Rats der Türkischen Staatsbürger in Deutschland und CDU-Mitglied. Der Gipfel sei eine Botschaft, aber das Bild, das am Freitag in Berlin entstehe, spiegele nicht die Situation in Deutschland wider. "Wenn ich einen Patienten behandele, muss ich ihn fragen und nicht seinen Nachbarn" sagt der Oberarzt für Innere Medizin von der Uniklinik Gießen.

Treffen in Köln kein "Gegengipfel"

In Köln treffen sich am heutigen Mittwoch Vertreter muslimischer Organisationen, um Vorschläge zur Integration sammeln. Die Veranstaltung dürfe nicht als "Gegengipfel" verstanden werden, so Fevzi Cebe, Vorsitzender der Union Europäisch-Türkischer Demokraten, der heute ebenfalls in Köln dabei sein wird.

Ein wichtiges Thema beim Treffen in Köln wird Bildung sein. Viele türkische Schüler landen auf der Sonderschule, nur wenige schaffen es aufs Gymnasium. Yasar Bilgin kündigte an, dass die türkischen Organisationen sich mit Ideen und Geld zur gezielten Förderung von türkischen Schülern beteiligen wollen. Bilgin will die Vorschläge am Freitag Angela Merkel übergeben, da er zu dem Gipfel eingeladen ist.

Türkisch-jüdischer runder Tisch

Parallel veranstaltet das American Jewish Committee (AJC) ein "begleitendes Forum" zum Integrationsgipfel, so die Sprecherin Anja Spiller zu stern.de. "Als amerikanische Organisation haben wir viel Erfahrung in der Migrationssarbeit. Die wollen wir einbringen." Seit 1998 unterhält das AJC, das ausschließlich durch private Spenden aus den USA finanziert wird, ein Büro in Berlin. Beim türkisch-jüdischen runden Tisch treffen sich regelmäßig 15 bis 20 Vertreter.

Dazu werden Vertreter von dreißig verschiedenen Migranten-Organisationen erwartet, zum Beispiel die türkische Gemeinde aus Berlin, die jüdische Gemeinde aus Brandenburg oder der Afrika Rat. Auch Gastsprecher aus den Niederlanden und den USA sind eingeladen. "Das Treffen ist ein Experiment für uns. Wir haben uns spontan entschieden, das Treffen zu organisieren" sagt Sprecherin Anja Spiller, "heute werden wir viele neue Kontakte knüpfen." Bis zum Abend soll ein Zehn-Punkte-Plan oder ein Fragenkatalog verabschiedet werden, der am Freitag auf dem eigentlichen Integrationsgipfel präsentiert werden soll.

Entscheiden kann der eigentliche Gipfel am Freitag ohnehin nicht viel: Die entscheidenden Themen Bildung, Sprache, Schulen und Kindergärten sind Sache der Bundesländer.

Catrin Boldebuck/Heike Sonnberger

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