VG-Wort Pixel

Integrationspolitik Völker der Welt, kommt in dieses Land


Ohne Zuwanderung sieht Deutschland in Zukunft alt aus. Wirtschaftswachstum und Sozialsysteme sind ohne Hilfe von außen nicht möglich, so das Ergebnis einer Studie. Integration ist nötiger denn je.
Von Sophie Albers Ben Chamo und Patrick Rösing

Jahrzehntelang galt ein Tabuwort in Deutschland, und das hieß "Einwanderungsland". Egal wieviele Tausend Menschen aus dem Ausland in die Republik geholt wurden oder auch von selbst kamen, ein Einwanderungsland sei man nicht. Da waren sich Politik und Stammtisch immer einig. Bezahlt haben für Ignoranz und fehlende Einwanderungspolitik die Deutschen selbst mit Angst, Steuergeldern, Parallelgesellschaften und Populisten wie Sarrazin.

Gemäß einer Studie des politisch unabhängigen Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung denken die Deutschen zwar langsam um, viele seien sich aber offenbar noch immer nicht im Klaren darüber, dass gut ausgebildete Zuwanderer - 2010 waren mehr als ein Drittel der Zuwanderer aus Südeuropa Akademiker - zur wirtschaftlichen Stabilität des Landes beitragen. Und mehr noch: Auf Grund der demografischen Entwicklung werden Deutsche in Zukunft von Zuwanderern abhängig sein, die ihre Rentenzahlungen erwirtschaften, so das Fazit. Denn im Jahr 2050 "dürfte mindestens ein Drittel aller Menschen unter 30 einen Migrationshintergrund haben", wie es in der Studie heißt.

Ungenutzte Potenziale

Mit der Untersuchung, die übrigens den passenden Namen "Ungenutzte Potenziale" trägt, habe das Berlin-Institut erstmals ein Werkzeug geliefert, Integration in Deutschland "zu messen", so die Verfasser im Vorwort. Nun müssen die Erkenntnisse aus den neuen Zahlen "nur noch" umgesetzt werden. Dazu brauche es vor allem Bildungsprogramme.

Die Zahlen zeigen nämlich, dass Zugewanderte in Deutschland "im Durchschnitt schlechter gebildet und häufiger arbeitslos" sind. Es sei im Interesse des Landes und seiner Bürger, das mit einer entschiedenen Integrationspolitik zu ändern. Und mit einem offeneren Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit Migranten. Instituts-Leiter Reiner Klingholz geht so weit, von einer "Bringschuld zur Integration" zu sprechen. Denn wenn Deutschland es nicht schaffe, zu einem attraktiven Land für Zuwanderer zu werden, warum sollten die dann überhaupt kommen.

"Um das Jahr 2030 werden jährlich doppelt so viele Menschen verrentet, wie Junge ins Erwerbsalter hineinwachsen", sagt Klingholz jüngst im Interview mit dem "Spiegel". "Weder können die Unternehmen ohne Zuwanderer überleben, noch lassen sich die Sozialsysteme finanzieren." Mit anderen Worten und ganz pragmatisch gedacht: Ohne eine zuwanderungsfreundliche und entschiedene Integrationspolitik "schafft Deutschland sich ab".


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker