HOME

Julian Nida-Rümelin: SPD-Politiker sieht "Akademisierungswahn" in Deutschland

Weil zukünftig 60 Prozent eines Geburtsjahrgangs studieren könnten, sieht der Politiker und Philosoph Julian Nida-Rümelin einen "Akademisierungswahn" bevorstehen.

Wieviele Studierende braucht Deutschland? Der Philosoph und Vorsitzender der SPD-Grundwertekommission Julian Nida-Rümelin findet, dass zu viele Junge ein Studium anfangen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung fordert er, dass wieder mehr Menschen eine Berufsausbildung absolvieren sollten. "Wir sollten den Akademisierungswahn stoppen", sagte Nida-Rümelin.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag die Studienanfängerquote im Jahr 2011 bei 42,8 Prozent. Die Zahl gibt an, wie viel Prozent eines Geburtsjahrgangs tatsächlich ein Studium aufnimmt. Nida-Rümelin sieht zukünftig Studienanfängerquoten von bis zu 60 Prozent und spricht davon, "dass sich daraus eine neue Qualität ergibt - eine negative."

"Bald laufen die Studenten den Azubis den Rang ab. Das finde ich falsch." Die hochwertige Berufsausbildung im dualen System funktioniere nur, "wenn die Mehrzahl eines Jahrgangs weiter in die berufliche Lehre geht, nicht eine kleine Minderheit".

Nahles und Rossmann sehen keinen Akademisierungswahn

Gegenwind kam aus der eigenen Partei, etwa von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles. Sie sagte der Zeitung: "Wenn jetzt mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs studieren, ist das ein unverzichtbarer Beitrag für unseren Anschluss im internationalen Vergleich." Allerdings müsse gleichzeitig die berufliche Bildung gestärkt und attraktiver gemacht werden. "Es müssen wieder mehr Betriebe ausbilden, mindestens 30 Prozent statt der heute 22 Prozent."

Auch der bildungspolitische Sprecher der SPD, Ernst-Dieter Rossmann, stellte sich gegen die Aussagen des ehemaligen Kulturstaatsministers. Da die Wirtschaft zunehmend wissensbasiert sei, steige auch der Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften.

juho/DPA / DPA