Kannibalenprozess Mord nicht ausgeschlossen


Er soll seine Cousine erstickt, zerlegt, große Teile der Leiche im Backofen erhitzt und teilweise gegessen haben. Nach dem Freispruch 2003 ging die Anklage in die zweite Verhandlungsrunde. Womit gerechnet werden kann ist unklar.

In einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle in der Geschichte der rheinland-pfälzischen Justiz sind am Montag die Plädoyers gehalten worden. Das Urteil in dem Prozess vor dem Landgericht Koblenz, bei dem es um Kannibalismusvorwürfe geht, wurde deshalb schon für den späten Montagnachmittag angesetzt. Angeklagt ist ein 26-Jähriger, der seine 22-jährige Cousine erstickt und die Leiche zerstückelt haben soll. Teile davon soll er in seinem Backofen erhitzt und gegessen haben. Der Prozess musste neu aufgerollt werden, nachdem der Bundesgerichtshof den Freispruch der Vorinstanz aufgehoben hatte.

Der damals 21-jährige Elektriker soll im Januar 2002 ohne ersichtlichen Grund seine mit ihm in einer Wohnung lebende ein Jahr ältere Cousine erstickt, aufwendig zerlegt und große Teile der Leiche im Backofen erhitzt haben. Einige Leichenteile blieben verschwunden, an den Resten fand die Polizei viele Reiskörner. Ob es sich tatsächlich um einen Fall von Kannibalismus handelt, blieb unklar. Der Mann war im ersten Verfahren am 1. Dezember 2003 als schuldunfähig vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen und in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Der Angeklagte hatte Revision gegen das Urteil eingelegt. Wegen schwerwiegender Mängel im Gutachten hob der BGH das Urteil im Januar 2005 auf.

Appell an den Angeklagten, sein Schweigen zu brechen

Nun wird wegen einer Gesetzeslücke erneut mit Freispruch gerechnet: Denn da nur der Angeklagte Revision eingelegt hatte, nicht jedoch die Staatsanwaltschaft, darf das Urteil im zweiten Prozess für den Angeklagten nicht schlechter ausfallen als das erste. Da der Mann vom Totschlagsvorwurf freigesprochen wurde, kann jetzt auch in der Zweitverhandlung kein Schuldspruch erfolgen. Oberstaatsanwalt Peter Schmickler forderte am Montag, den Schuldspruch auf Mord zu ändern, wie Gerichtssprecher Ingo Steinhausen erklärte. Zudem sei der Angeklagte nicht schuldunfähig, sondern lediglich vermindert schuldfähig. Schmickler forderte die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus. Der Vertreter der Nebenklage appellierte lediglich an den 26-Jährigen, sein Schweigen zu brechen und im Interesse der Mutter der Toten zur Aufklärung des Falles beizutragen.

Der Angeklagte hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, auch die Möglichkeit zu einem letzten Wort nahm er laut Steinhausen am Montag nicht wahr. Die Verteidigerin des Angeklagten, Gabriele Steck-Bromme, erklärte laut Steinhausen, die Gutachten seien nicht aussagekräftig und es sei kein Tatnachweise geführt worden: Es sei unklar, wann, wo und wie die Tat abgelaufen sei. Es gebe keine ausreichenden Indizien für eine Täterschaft ihres Mandanten. Das Urteil wurde für 17.30 Uhr erwartet. Ursprünglich war mindestens ein weiterer Prozesstag angesetzt.

AP AP

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