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Kommentar

Flüchtlinge und Gymnasiasten: Getrennte Pausen - wie man Integration erfolgreich verhindert

Gymnasiasten und Flüchtlinge dürfen an einem Hamburger Gymnasium nicht gemeinsam in die Pause. Die Gründe sind scheinheilig. So schafft man auf jeden Fall kein Miteinander.

Flüchtlinge auf einem Schulhof in Paris

Flüchtlinge auf einem Pariser Schulhof: In Hamburg gelten an einigen Schulen getrennte Pausenregelungen

Gemeinsame Pausen wären so wichtig. Für Flüchtlinge und Einheimische. Für den kulturellen Austausch, für die soziale Bindung und sei es allein für den Spaß. Denn welcher Schüler geht schon gern zur Schule, wenn er dort nicht auch täglich seine Freunde treffen kann? Das geht uns Erwachsenen bei der Arbeit doch ähnlich. Hier mal ein Plausch mit Kollegen, da mal eine gemeinsame Mittagspause, dort mal ein Feierabendbierchen. Das ist einfach gut fürs Klima. Und es ist erst recht gut für die Psyche.

Dass Flüchtlinge und Gymnasiasten getrennt in die Pause gehen, ist schon allein von dieser Warte aus schwer zu verstehen. Und in Sachen Integration eindeutig das falsche Signal. Wie sollen die Kinder das denn bitte verstehen? Die Einheimischen dürfen zuerst raus, erst danach seid ihr dran. Das ist Rassismus an der Basis. Die Kinder lernen hier höchstens, was eine Zweiklassen-Gesellschaft ist, was Ausgrenzung ist und nicht, was Gemeinschaft ist.

Die Kinder verstehen dieses Vorgehen nicht. Das zeigen die Äußerungen einiger Gymnasiasten. Ginge es nach ihnen, hätten sie gerne Kontakt zu den Flüchtlingen. Doch die Schule weiß das zu verhindern. Sicherheit, Gesundheit, Logistik – das sind die Gründe, die angeführt werden, warum an einigen Hamburger Schulen Flüchtlinge nicht mit den Gymnasiasten zusammen in die Pause dürfen. Doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese nur vorgeschoben sind.

Flüchtlinge auf dem Pausenhof? Zu gefährlich, zu voll!

Die Argumente des Schulleiters klingen jedenfalls absurd: "Ein 16-jähriger Flüchtling könnte einem Elfjährigen einen Ball ins Gesicht schießen." Ja, is' klar ... Das könnte einem deutschen Jungen natürlich nicht passieren! Sind ja schließlich Fußball-Weltmeister, die Deutschen.

Und es würde zu drängelig auf dem Schulhof werden? Klar, es würde voll werden und dadurch vielleicht etwas unübersichtlich. Aber machen hier 60 bis 90 Schüler wirklich den Unterschied? Es ist ja nicht so, als müssten die Lehrkräfte ein Risiko-Krawallo-Fußballspiel mit einer Horde Hooligan-Fans beaufsichtigen. Dann muss man eben eine Lehrkraft mehr auf den Schulhof schicken.

Und glaubt der Schulleiter wirklich, es sei ein Argument, dass eine Lehrkraft Schülern von einer anderen Schule nicht sagen dürfen, was sie auf dem Gelände zu tun oder zu lassen hätten? Heißt das im Umkehrschluss etwa auch, sie dürften den Flüchtlingen dann auch nicht helfen, wenn beispielsweise ein deutsches Kind ihnen einen Ball ins Gesicht donnert? Weil sei ja streng genommen von einer anderen Schule sind und sich nur zum Lernen auf dem Schulgelände aufhalten dürfen? Das ist die Logik, aber eigentlich ist es keine.

"Wenn das so ist, müssen wir es ändern"

Man will offenbar nicht zugeben, dass hier die Ängste und Vorurteile der Erwachsenen gegen die Flüchtlinge eine Rolle spielen und man ein Zusammentreffen daher so gut es geht verhindern möchte.

Die Argumente der Behörde klingen zwar im ersten Moment schon einleuchtender. Die Flüchtlingsschüler kommen später, also gehen sie auch später in die Pause. Viel förderlicher in Sachen Integration ist das allerdings auch nicht. Wieso schickt man die Flüchtlingskinder nicht zur gleichen Zeit in die Schule? Auch das wäre wichtig für sie, um sich früh an unser Schulsystem anzupassen.

Die Lehrerin der Flüchtlingsklasse wusste beispielsweise gar nicht, dass fremde Lehrkräfte ihre Schüler nicht beaufsichtigen dürfen. Aber sie bringt es mit ihrer Antwort auf den Punkt: "Wenn das so ist, müssen wir es ändern."

Integration fängt bei den Kleinsten an. Und wenn sie schon nicht miteinander lernen können, dann sollen sie doch wenigstens miteinander spielen dürfen. In den Pausen. Es wäre ein erster und vor allem wichtiger Schritt in Richtung Integration.

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