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Kreditaffäre des Bundespräsidenten Wulff veröffentlicht private Urlaubsliste


Bundespräsident Christian Wulff hat eine Liste mit privaten Urlaubsreisen veröffentlicht, bei denen er Gast von Freunden war. Nicht immer soll er gezahlt haben.

Die Kreditaffäre von Bundespräsident Christian Wulff wird immer bizarrer. In Reaktion auf kritische Fragen nach seinen Beziehungen zu Geschäftsleuten hat Bundespräsident Christian Wulff eine Liste seiner Privaturlaube in den Anwesen befreundeter Unternehmer vorlegen lassen. Demnach verbrachten Wulff und seine Familie seit seiner Wahl zum niedersächsischen Ministerpräsidenten 2003 bis 2011 insgesamt sechs Mal den Urlaub in Räumlichkeiten privater Bekannter, teilte die von Wulff beauftragte Bonner Kanzlei Redeker Sellner Dahs am Sonntag mit.

Insgesamt drei Mal verbrachte Wulff demnach einen Privaturlaub in Häusern des Osnabrücker Ehepaars Edith und Egon Geerkens, von denen auch sein umstrittener Privatkredit für den Häuserkauf aus dem Jahr 2008 stammte. In den Jahren 2003 und 2004 sei Wulff Gast "in deren privaten Räumlichkeiten in Spanien" gewesen, teilte die Kanzlei mit. Zum Jahreswechsel 2009/2010 seien die Wulffs Gast im Haus der Geerkens in den USA gewesen.

Im Jahr 2008 hätten sich die Wulffs als Gäste des Hannoveraner Finanzunternehmers Wolf-Dieter Baumgartl und von dessen Frau Ingrid in Italien aufgehalten. In den Jahren 2008 und 2009 hätten die Wulffs auf der Insel Norderney Zeit in den privaten Räumlichkeiten des Ehepaars Angela Solaro und Volker Meyer verbracht.

Für lau in Italien

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hat Wulff für den Aufenthalt in Baumgartls Anwesen in Italien nichts bezahlt. Dies habe der Wulff-Anwalt Gernot Lehr bestätigt. Der Urlaub im Frühjahr 2008 in Livorno kurz nach der Trauung der Wulffs habe eine Woche gedauert. Die Ehepaare sind demnach "persönlich befreundet". Im Jahr 2008 war Wulff noch niedersächsischer CDU-Ministerpräsident. Seine Kontakte zu Baumgartl habe er "zur Förderung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen im Land Niedersachsen genutzt", zitierte die "Bild"-Zeitung den Anwalt.

Wulff reagiert auf Druck der Öffentlichkeit

In seiner Amtszeit als Bundespräsident habe Wulff "keine Urlaube in privaten Räumlichkeiten von Freunden verbracht", teilte seine Anwaltskanzlei mit. Sie wies auf den bereits bekannten Umstand hin, dass Wulff im Jahr 2010 eine Wohnung in der Ferienanlage des Unternehmers Carsten Maschmeyer auf Mallorca gemietet habe.

Wulff hatte die Kanzlei nach deren Angaben beauftragt, "anhand seiner Aufzeichnungen, seiner Kalender und aller sonst zugänglichen Informationen" die Urlaubseinladungen zu dokumentieren. Es habe mehrere "Anfragen von Medienvertretern" zu Wulffs Urlauben gegeben. Der Bundespräsident ist derzeit wegen des Privatkredits unter Druck; die Annahme des Darlehens hatte allgemeine Fragen nach seinen Beziehungen zu Unternehmern aufgeworfen.

mlr/AFP/DPA DPA

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