Letzte Ruhestätte Ehrengrab auf traditionsreichem Friedhof


Wolf Biermann hat ihm ein Denkmal gesetzt - dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, auf dem Alt-Bundespräsident Johannes Rau in prominenter Nachbarschaft in einem Ehrengrab beigesetzt wird.

"Da liegt allerhand große Leute/Und liegen auch viel kleine Leut", singt der Liedermacher über den 1762 angelegten Friedhof an der Chausseestraße. Bis in die Gegenwart haben neben einfachen Bürgern viele prominente Zeitgenossen hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. "Wir hakeln uns Hand in Hand ein/Und schlendern zu Brecht seinem Grab", weist Biermann auf die Grabstätte seines Vorbilds hin. Der Dichter Bertolt Brecht, dessen Todestag sich am 14. August zum 50. Mal jährt, war dem Areal schon zu Lebzeiten eng verbunden: Brecht und seine Frau Helene Weigel wohnten im Nachbarhaus mit Aussicht auf die zum Teil prächtigen Mausoleen - und ihr späteres Grab.

In prominenter Gesellschaft

In unmittelbarer Nähe von Brecht und Weigel finden sich beinahe nebeneinander die Gräber der Schriftsteller Anna Seghers, Johannes R. Becher, Heinrich Mann und Arnold Zweig. Nur einen Steinwurf entfernt liegen die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Johann Gottlieb Fichte. Auch der Industrielle August Borsig wurde hier begraben. Die Büste auf dem Grab des durch den Bau von Dampfmaschinen und Lokomotiven reich gewordenen Unternehmers stammt vom Bildhauer Christian Daniel Rauch, der hier ebenfalls bestattet ist.

Auch sonst liest sich das Verzeichnis der auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof begrabenen Prominenten wie ein "Who is who" der berlinischen und preußischen Geschichte. Die Baumeister Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler haben hier ebenso ihre letzte Ruhestätte gefunden wie der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, der die Quadriga auf dem Brandenburger Tor schuf. Bestattet wurden hier auch der Buchdrucker Ernst Theodor Litfaß, Erfinder der nach ihm benannten Werbesäule, der Regisseur Erich Engel sowie der durch seine bissigen Collagen bekannt gewordene Künstler John Heartfield.

Ruhestätte am Fuße eines Lebemanns

Neben der Friedhofskapelle steht eine Statue des vom Protestanten Rau geschätzten Reformators Martin Luther. Seine letzte Ruhestätte findet der Alt-Bundespräsident nur wenige Meter vom Dramatiker Heiner Müller entfernt. Am Fuße von Müllers Grab ist eine Vogeltränke in Form eines Aschenbechers eingelassen, und Verehrer des Whisky- und Tabakliebhabers mit der markanten Hornbrille legen dort gelegentlich Hochprozentiges und Zigarren nieder. Eine schöne Nachbarschaft für den dem Leben zugewandten Johannes Rau.

Volker Warkentin/Reuters Reuters

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