HOME

Montagsdemonstration: 30 Hamburger gegen Hartz IV

Die erste Montagsdemonstration in Westdeutschland ähnelte einem Schulausflug. Nun setzt der Initiator auf den Multiplikatoreffekt. Die Demos sollen auch künftig jeden Montag stattfinden.

Eine Montagsdemonstration in Hamburg mit gleicher Resonanz wie im Osten der Republik - kann das funktionieren? Der Organisator, der arbeitslose Landmaschinenmechaniker Klaus Meier ist fest davon überzeugt. Aus diesem Grund hat er zur ersten Montagsdemonstration in Westdeutschland aufgerufen. Meier, parteilos und unabhängig, wie er sagt, hat vermutlich mit mehr Resonanz gerechnet. stern.de war beim Hartz-IV-Protestzug dabei.

Vom Organisator fehlt zunächst jede Spur

14.50 Uhr. An der Sammelstelle für die Demonstration, einem kleinen Platz vor Hamburgs größtem Arbeitsamt, herrscht gähnende Leere. Fünf Polizisten harren der Dinge die kommen. Vereinzelte Personen, die offenbar an der Demonstration teilnehmen wollen treffen ein und stehen zunächst verloren in der Gegend herum. Vom Organisator Klaus Meier fehlt jede Spur.

15.15 Uhr. Eine kleine Gruppe sammelt sich auf dem Platz vor dem Arbeitsamt. Einige, nach eigenen Angaben meist selber von Hartz IV Betroffene, finden sich ein. Auf die Frage nach ihrer Motivation ist die Antwort meist die gleiche: "Die im Osten haben uns das vorgemacht, wir müssen jetzt auch tätig werden" oder aber "Ich will meinen eigenen kleinen Beitrag gegen die soziale Ungerechtigkeit leisten". Viele hatten im Internet und in der Wochenendausgabe der "Hamburger Morgenpost" von der Montagsdemo gehört und sich spontan entschieden, an der Demonstration teilzunehmen.

"Hartz IV ist eine Verarschung"

15.18 Uhr. Der Initiator trifft mit seinem alten Audi80 ein, auf dem Autodach hat er vier Lautsprecher montiert. Warum er denn hier sei, antwortet er barsch: "Für die Betroffenen bin ich hier, Hartz IV ist eine Verarschung". Meier vertröstet die nunmehr fast 50 Demonstrationswilligen auf den Beginn der Demo um 16 Uhr. Auf die mangelnde Beteiligung angesprochen meint er: "Das ist nur der Anfang, es werden jeden Montag mehr werden." Den Begriff Montagsdemonstration hält er für angemessen, da schließlich damals, also 1989, wie heute auch die Initiative vom Volk ausginge. Meier kündigt an, "wenn die Regierung nicht auf die Demos reagiert, werde der Montag zukünftig zum "Blauen Montag" erklärt.

16.10 Uhr. Die Polizei hat die Straßen abgesperrt. Der Demonstrationszug setzt sich in Bewegung. Von den ursprünglich 50 Personen sind gut 30 Demonstranten übrig geblieben. Der Zug, der eher einem kleinen Schulausflug gleicht, zieht in Richtung Innenstadt, um dort am Gänsemarkt gegen 18 Uhr die Abschlusskundgebung abzuhalten. Keine Plakate oder Transparente sind zu sehen, keine Sprechchöre zu hören. Auf die Frage wieso es den so wenige Demonstranten seien, antwortet einer: "Die Hamburger sind zu zurückhaltend, die kriegen ihren Arsch nicht hoch." Ein anderer meint: "Jeder dieser Teilnehmer ist ein Multiplikator, nächste Woche wird es hier ganz anders aussehen."

Tim Stahnke