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Schlag 12 - der Mittagskommentar aus Berlin: Nach Erdbeben: Bestraft die Nackten vom Mount Kinabalu!

Das Erdbeben am malaysischen Mount Kinabalu forderte 16 Tote. Die Einheimischen von Borneo glauben, Nacktfotos von Touristen seien Schuld. Ein Plädoyer für eine angemessene Strafe.

Von Axel Vornbäumen

"Mount Kinabalu. Time of my life." steht unter dem Bild, das bei Facebook hochgeladen wurde. Eine Gruppe von Wanderern posierte halbnackt auf dem Gipfel des Mount Kinabalu.

"Mount Kinabalu. Time of my life." steht unter dem Bild, das bei Facebook hochgeladen wurde. Eine Gruppe von Wanderern posierte halbnackt auf dem Gipfel des Mount Kinabalu.

Der Mount Kinabalu ist 4095 Meter hoch. Es ist der höchste Berg Südostasiens. Wer einmal, wie der Autor dieses Textes, kurz vor Sonnenaufgang auf dem Gipfel war, der wird das nicht mehr vergessen. Der Schatten des riesigen Berges reicht dann bis an die Küsten Borneos.

Auf dem Weg zum Gipfel empfiehlt es sich, sich örtlichen Rangern anzuvertrauen. Die spektakuläre Landschaft zieht Naturliebhaber an, Trekker, Großstadtmüde, Abenteuerliebhaber - und hin und wieder leider wohl auch Arschlöcher, die mal wieder gar nichts kapiert haben. Einige davon haben dieser Tage Fotos von sich auf Facebook gepostet, spärlich bekleidet oder sogar ganz nackt - obwohl sie von ihren Führern eindringlich darauf hingewiesen wurden, das zu unterlassen. Begründung: Sie beleidigten damit die Geister des Berges.

Haha, wie blöd, die Eingeborenen - könnte man meinen, als abgebrühter Konsument selbst bizarrster Auswüchse fremder Kulturen. Doch einen Tag später grollte der Berg. Er wollte "sei `Opfa" wie der österreichische Barde Wolfgang Ambros das bestimmt besungen hätte, wenn der Mount Kinabalu nicht auf Borneo sondern in Österreich liegen würde. Das Beben am Mount Kinabalu forderte 16 Menschenleben. Wer ist Schuld? Die Nackten auf Facebook?

Und wenn's tatsächlich so wäre? Wäre es dann nicht einfach nur gerecht? Das kann man sich, als konsequenter Gegner der Todesstrafe, im Ernst nicht wünschen. Unter den Toten waren Schüler aus Singapur. Der Berg war willkürlich in seinem Wunsch nach Rache.

Wie geht es weiter? Alles wie gehabt? Rauf auf den Berg, Selfie gemacht. Nächstes Urlaubsziel? Die Situation an dieser Schnittstelle der Kulturen ist mal wieder kompliziert. Die Einheimischen verlangen von den Nackt-Touristen eine Art Wiedergutmachung zur Besänftigung der Berggeister – gedacht ist an zehn Büffel. Den Ausländern soll der Prozess gemacht werden. Nach westlichen Maßstäben wäre eine Verurteilung wegen Erzürnen der Berggeister ein Skandal, nach heimischen Wertvorstellungen wäre es der Freispruch.

Man ertappt sich dabei, den Blöd-Touris die saftige Strafe an den Hals zu wünschen. Gerne auch etwas mehr. Ein schöner Gruß an all die, die die ganze Welt nur als Kulisse für ihre selbstgenügsamen Selfies wahrnehmen. An all die, denen es an Achtsamkeit fehlt. An Gespür für die Einzigartigkeit des Moments.

Zehn Büffel für die Berggeister – es wäre ein Etappen-Sieg beim Kampf um eine bessere Welt.

Axel Vornbäumen bittet darum, auf das Zuschicken jeglicher Urlaubs-Selfies zu verzichten. Man kann dem Autor auf Twitter folgen unter @avornbaeumen

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