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Nach Kopftuch-Fotos: Politikerin Wöhrl kontert mit lustiger Mail

Mit Humor gegen Fremdenhass: Die bayrische Politikerin Dagmar Wöhrl hat gekonnt auf eine ausländerfeindliche Mail geantwortet und sich damit selbst gegen geschmacklose Anfeindungen verteidigt.

Schlagfertig und amüsant: Die Nürnberger CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl hat eine E-Mail geschrieben, die es in sich hat. Doch hinter den belustigenden Worten steckt ein ernster Hintergrund, und zwar dieser:

Ein offensichtlich ausländerfeindlicher Mensch schreibt an das Nürnberger Modehaus Wöhrl, an dem die Politikerin früher beteiligt war, eine erzürnte Mail. "Warum verkaufen Sie nicht nur Burkas, wie es Ihre Chefin gemeinsam mit C. Roth vormacht?" Weiter: "Nie werden Menschen aus meinem Bekanntenkreis auch nur einen Knopf von Ihnen kaufen. Sie sind eine Schande! Drecksladen ist noch milde ausgedrückt."

Das Büro der Bundestagsabgeordneten nimmt sich der Mail an und antwortet gekonnt zungenfertig und mit schwarz-rot-goldenen Grüßen: "In der Tat wäre es aber wahrscheinlich sinnvoller, Sie kaufen künftig nur noch in Läden, die ausschließlich deutsche Ware aus Deutschland für Deutsche verkaufen." Als Postskriptum gibt es noch einen Tipp für den Wutbürger: "Falls das Abendland doch nicht mehr gerettet werden kann, empfehlen wir schon einmal www.kopftuch24.de."

Anspielung auf "Schindlers Liste"

Und damit der Adressat seine Antwort auch sicher erhält, hat Dagmar Wöhrl ihn auf Facebook veröffentlicht. Denn wie in ihrem Post zu lesen ist, hat der Absender nicht nur die falsche, sondern auch geschmacklose E-Mail-Adresse "helene.hirsch@schindler.com" angegeben. Ihre Antwort darauf: "Dass Sie mit 'Helene Hirsch' anscheinend auf die Jüdin Helene Hirsch in Zusammenhang mit Oskar Schindler anspielen, ist an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten!" Der Name Helene Hirsch taucht in dem Spielfilm "Schindlers Liste" auf. Dort gehört der Name einer jüdischen Haushälterin.

Hintergrund für die Geschmacklosigkeit ist ein Bild der Politikerin, welches sie von einer Reise in den Nahen Osten veröffentlichte. Kurz vor dem 70. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung hat Wöhrl zusammen mit der früheren Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth den Iran besucht, um sich dort nach eigenen Angaben unter anderem für den inhaftierten Nürnberger Menschenrechtspreisträger Abdolfattah Soltani einzusetzen. Unwissend dessen, was sie damit auslösen würde, postete sie ein Bild der Reise auf Facebook. Das Foto, auf dem die beiden Politikerinnen Kopftuch tragen, hat zu einem Shitstorm geführt, der sich weit unter der Gürtellinie abspielt.

"Erschreckend, welchen Hass Menschen in sich tragen"

Dem "Bayrischen Rundfunk" sagte Wöhrl jetzt: "Wenn Menschen mir wünschen, dass ich geköpft, massenvergewaltigt oder ausgepeitscht werden solle, dann ist das keine freie Meinungsäußerung, dann bewegen wir uns im strafrechtlichen Bereich." Noch sei sie unschlüssig, ob sie gegen die Absender der Mails und Facebook-Kommentare Anzeige erstatte. Es sei jedoch erschreckend für sie, welchen inneren Hass Menschen in sich tragen.

Im Iran ist es für Frauen Pflicht, in der Öffentlichkeit Kopftuch zu tragen. So schreibt das Auswärtige Amt in seinen Länderinformationen für den Iran "Frauen müssen die islamischen Bekleidungsvorschriften einhalten (Kopftuch und Mantel)".

Lesen Sie hier die E-Mail von Frau Wöhrl im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Hirsch,

haben Sie vielen Dank für Ihre freundliche und informative Nachricht an die Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl. Da Frau Wöhrl nicht mehr am Modehaus Wöhrl beteiligt ist, tangiert sie Ihr Anliegen auch nur peripher.

In der Tat wäre es aber wahrscheinlich sinnvoller, Sie kaufen künftig nur noch in Läden, die ausschließlich deutsche Ware aus Deutschland für Deutsche verkaufen.

Viel Spaß bei der nächsten Shopping-Tour und mit schwarz-rot-golden Grüßen Ihr Team Wöhrl

PS: Falls das Abendland doch nicht mehr gerettet werden kann, empfehlen wir schon einmal www.kopftuch24.de