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Nach TV-Interview Merkel versichert Wulff ihre Wertschätzung


Erste Stellungnahme der Kanzlerin nach Tagen des Schweigens: Merkel lobt über ihren Sprecher den angeschlagenen Präsidenten für sein TV-Interview.

Die Kanzlerin hat ihr tagelanges Schweigen in der Affäre Wulff beendet. Am Freitag begrüßte sie über ihren Sprecher die öffentlichen Erklärungen des Bundespräsidenten in seinem Fernsehinterview. Steffen Seibert sagte, der TV-Auftritt sei ein wichtiger Schritt gewesen, Vertrauen der Bürger wiederherzustellen.

Er bekräftigte, die Kanzlerin habe "große Wertschätzung" für Christian Wulff als Mensch und als Bundespräsident. Die Frage, ob ein umstrittener Anruf Wulffs auf der Mobilbox von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann veröffentlicht werden solle, sei eine Sache zwischen diesen beiden. Die Mitteilung Wulffs, dies nicht zu tun, sei zu respektieren. Kommentieren wolle die Kanzlerin den Sachverhalt nicht.

Wulff will sich Amtsgeschäften widmen

Wulff selbst räumte ein, dass schwierige Wochen hinter ihm liegen. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Jahr machte er am Freitag in Berlin zugleich deutlich, dass er sich nun wieder verstärkt seinen Amtsgeschäften widmen wolle. Die letzten Tage und Wochen seien so gewesen, dass er sich das "nicht noch mal zumuten" müsse, sagte Wulff beim Empfang der Sternsinger im Schloss Bellevue auf Zuruf eines Journalisten, wie es ihm gehe. Er sei froh, dass "das Jahr 2012 nun losgeht und man sich wieder seinen eigentlichen Aufgaben zuwenden kann".

Niedersächsische Grüne legen Fragenkatalog vor

Die Grünen im niedersächsischen Landtag fordern unterdessen mit einem Katalog von 100 Fragen an die Landesregierung umfassende Aufklärung der Vorwürfe gegen Wulff. Es gehe dabei nicht nur um die Glaubwürdigkeit des früheren Ministerpräsidenten Wulff, sondern auch um die Souveränität seines Nachfolgers David McAllister (CDU), sagte Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel am Freitag in Hannover.

"Wir fordern, dass möglichst umfassend und möglichst schnell schon zum nächsten Plenum im Landtag aufgeklärt wird", sagte Wenzel. Im Mittelpunkt der Anfrage stehen der Hauskredit von Unternehmergattin Edith Geerkens sowie die Verbindungen von Wulff zur Wirtschaft. Es sei vor allem zu klären, ob es in irgendeiner Form Gegenleistungen gegeben habe, sagte Wenzel

Umfrage: Auftritt eher nicht überzeugend

In einer Umfrage "ARD-Deutschlandtrend extra" bezeichneten 61 Prozent den TV-Auftritt Wulffs eher nicht überzeugend, 30 Prozent fanden ihn überzeugend. Allerdings waren 60 Prozent der Ansicht, Wulff habe "jetzt eine zweite Chance verdient", 36 Prozent sahen dies anders. 56 Prozent sprachen sich in der ARD-Blitzumfrage dafür aus, dass Wulff im Amt bleiben sollte – das sind sogar neun Punkte mehr als am Mittwoch vor dem Interview.

Wulff konnte im Vergleich zum Mittwoch auch in punkto Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit leicht zulegen, erzielt aber weiterhin schwache Werte. 37 Prozent der Deutschen halten Wulff aktuell für glaubwürdig (plus 10 im Vergleich zu Mittwoch). 56 Prozent finden ihn nicht glaubwürdig (minus 12). Dass Wulff ehrlich ist, glauben aktuell 31 Prozent der Deutschen (plus 9). Die Mehrheit der Deutschen (57 Prozent) hat "den Eindruck, die Medien wollen Wulff fertig machen".

fw/DPA DPA

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