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Olaf Glaeseker: Anklage gegen früheren Wulff-Sprecher

In der Wulff-Affäre gibt es bald die ersten Gerichtsverhandlungen: Der Ex-Pressesprecher des früheren Bundespräsidenten und ein Partyveranstalter müssen sich gegen mehrere Vorwürfe wehren.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat den früheren Sprecher von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, Olaf Glaeseker, wegen Bestechlichkeit angeklagt. Es geht um Korruptionsfälle in der Amtszeit Glaesekers als niedersächsischer Regierungssprecher, teilte die Behörde am Mittwoch in Hannover mit.

Auch gegen den Veranstalter der Promi-Party Nord-Süd-Dialog, Manfred Schmidt, wurde Anklage erhoben. Ihm wird Bestechung vorgeworfen. Schmidt soll mit den drei Partys einen Gewinn von mehr als einer Million Euro erzielt haben. Das Ermittlungsverfahren gegen Wulff wegen Vorteilsannahme wurde noch nicht abgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Glaeseker bei der Suche nach Sponsoren für den Nord-Süd-Dialog half und Partymanager Schmidt ihn im Gegenzug dafür zu kostenlosen Urlauben einlud. Beide Beschuldigte hatten die Aufenthalte Glaesekers in Schmidts Häusern in Frankreich und Spanien mit ihrer jahrelangen Freundschaft begründet. Über die bevorstehende Anklage hatten zuvor die "Bild am Sonntag" und das ARD-Magazin "Panorama" berichtet.

In der 134 Seiten umfassenden Anklageschrift würden 47 Zeugen und 53 Aktenordner mit ausgewerteten schriftlichen Unterlagen sowie zahlreichen elek-tronischen Dateien aufgeführt, teite die Staatsanwaltschaft mit.

Gegen Glaeseker und Schmidt wurde seit Anfang 2012 ermittelt. Das enge Beziehungsgeflecht war im Zuge der Kredit-Affäre um das Haus von Wulff in Großburgwedel in den Fokus der Justiz geraten. Die Wulff-Affäre war unter anderem durch Recherchen des stern öffentlich gemacht worden.

Glaeseker und Schmidt eng befreundet

Guido Frings, Anwalt von Olaf Glaeseker, hatte dem ARD-Magazin "Panorama" zuvor gesagt: "Aus unserer Sicht hat sich Herr Glaeseker kein strafrechtlich relevantes Verhalten vorzuwerfen." Glaeseker und Schmidt hätten ein enges Freundschaftsverhältnis gehabt, so Frings weiter.

Der Anwalt von Schmidt, Daniel Krause, betonte in einer Stellungnahme am Mittwochabend ebenfalls, dass die Besuche "ausschließlich auf der seit langen Jahren bestehenden engen Freundschaft zwischen Herrn Schmidt und den Eheleuten Glaeseker" gründeten. "Herr Schmidt ist zuversichtlich, dass sich der ihm gegenüber erhobene Vorwurf im weiteren Verfahren als haltlos erweisen wird", hieß es weiter. Die Gerichtsverhandlung soll noch in diesem Jahr vor dem Landgericht Hannover beginnen.

Die Affäre um Glaeseker ist eng mit den Vorwürfen gegen den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten und Bundespräsidenten Christian Wulff verbunden. Wulff musste im Zuge der Affäre im Februar 2012 als Staatsoberhaupt zurücktreten. Im Kern ging es um materielle Gefälligkeiten, wie beispielsweise einen vergünstigten Kredit für Wulffs Eigenheim. Wulff selbst wird Medienberichten zufolge wohl ein Strafprozess wegen Korruptionsverdachts erspart bleiben.

anb/DPA / DPA