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Ostermärsche: "Kampf gegen den Terror ist selbst Terror"

Gegen den Irakkrieg, gegen den Entwurf der EU-Verfassung und für eine größere Distanz zu US-Präsident Bush - das sind die Standpunkte der diesjährigen Ostermärsche.

Die Osteraktionen der Friedensbewegung sind am Sonntag in verschiedenen deutschen Städten fortgesetzt worden. Zu den Ostermärschen und anderen Kundgebungen in zahlreichen Städten kamen nach Angaben des zentralen Ostermarschbüros in Frankfurt mehrere tausend Menschen. Die Proteste richten sich vor allem gegen den vor zwei Jahren begonnenen Irak-Krieg. Die Friedensdemonstranten lehnen außerdem den Entwurf für eine EU-Verfassung ab, weil diese die Aufrüstung fördere.

Im brandenburgischen Fretzdorf protestierten tausende Demonstranten gegen den geplanten umstrittenen Luft-Boden-Schießplatz Bombodrom. Nach Angaben der Veranstalter kamen 7000 Menschen, die Polizei sprach von knapp 2000. Zu den Hauptrednern der Kundgebung gehörten der frühere DDR-Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer und der Schauspieler Peter Sodann. Über die militärische Nutzung des 12.000 Hektar großen Geländes streiten Bundeswehr, Anwohner und Tourismusverbände seit 1992.

In Niedersachsen beteiligten sich in Oldenburg nach Schätzungen der Polizei 130, nach den Angaben der Veranstalter rund 250 Menschen an dem Ostermarsch. In Verden zählte die Polizei sieben Teilnehmer.

Fahrradkorso in Essen

In Essen starteten unter dem Motto "reclaim the street" nach Polizeiangaben 85 Radfahrer zu einem Fahrradkorso. Nach Kundgebungen in Gelsenkirchen, Wattenscheid und Herne endete die Tagesetappe am Nachmittag in Bochum. Am Ostermontag führt der Weg der Demonstranten nach einem Friedensgottesdienst weiter nach Dortmund. Dort soll am Nachmittag die Abschlussveranstaltung stattfinden.

Von der Bundesregierung verlangten die Demonstranten eine größere Distanz zu US-Präsident George W. Bush und seinem Kampf gegen den Terror, der nach ihrer Auffassung "selbst Terror ist". Außerdem forderten sie die Politiker auf, sich anstelle von Rüstungsexporten und Militäreinsätzen mit zivilen Strategien an der Lösung von Konflikten zu beteiligen.

In Deutschland reicht die Tradition der Ostermärsche bis in die 1960er Jahre zurück. Einen Höhepunkt erreichten die Aktionen Anfang der 1980er Jahre während der Diskussion um den NATO-Doppelbeschluss. Damals zogen mehr als 700.000 Menschen an Ostern durchs Land. In den 1990ern flaute die Resonanz dann deutlich ab.

DPA / DPA