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Kommentar

Nach der Lebenslüge: Die Politikerin Petra Hinz - Lügt eine, lügen alle

Die SPD-Politikerin Petra Hinz hat vor 30 Jahren ihren Lebenslauf gefälscht. Das ist existenziell für sie. Tragisch für ihre schwächelnde Partei. Und Öl ins Feuer der allgemeinen Anti-Stimmung.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Petra Hinz

Die Lüge überstrahlt alles

Der schlechteste Zeitpunkt von allen war es, zu dem bekannt wurde, dass die Essener SPD-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Petra Hinz vor 30 Jahren ihren Lebenslauf gefälscht hat. Für sie selbst sowieso, weil ihre Lebenslüge zusammengekracht ist. Für ihre Partei, für die jede schlechte Nachricht die Angst vor dem Bedeutungsverlust potenziert. Aber vor allem für die Grundstimmung in diesem Land.

Denn dieser Tage interessieren weder die Gründe von Hinz - gerade (nicht) dargelegt im Interview aus dem Krankenhaus, wo die 54-Jährige sich therapieren lässt. Noch die von ihrem lautstärksten Gegner, NRW-Justizminister Thomas Kutschaty, der ihren sofortigen und völligen Rückzug fordert. Die Lüge steht im Raum, die Anmaßung, die ähnlich wie bei den Guttenbergs und Koch-Mehrins mit jedem Echo größer wird, bis nichts anderes übrig bleiben wird.

Immer wieder "Die da oben"

"Sie hat gelogen" überstrahlt für viele Menschen die Frage, ob Hinz als pathologische Hochstaplerin einzustufen ist, wie es der "Spiegel" tut, oder ob sie wohl dachte, die Politkarriere wäre ohne Titel selbst in der SPD nicht möglich. Und ob Kutschaty wirklich glaubt, mit seinem energischen Vorgehen, SPD-Mitglieder und -Wähler vom Absprung abzuhalten? Es ist zu einfach, darin Hysterie zu vermuten. Schließlich haben Partei und Parlament der Fälschung 30 Jahre lang geglaubt.    

Die Lebenslüge der Petra Hinz ist eine Kerbe, die tief genug ist, um sie immer wieder zu treffen. Eine hitzige Auseinandersetzung mit dem gefälschten Lebenslauf hilft niemandem. Sie befeuert allein die Menge der Bürger, die in Worten wie "die da oben" denken. Und die wird bekanntlich immer größer.

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