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Presseschau zu Barroso Unverantwortlich, aber verständlich


Die Aussagen von Manuel Barroso und ihre Auswirkungen auf die Börsen weltweit beschäftigen weiterhin die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen

Mit seinem Brandbrief hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso überraschend eine Aufstockung des Euro-Krisenfonds ins Spiel gebracht. Die Bemerkung löste - zusammen mit Ängsten vor einem Einbruch der Weltkonjunktur - an den Finanzmärkten neue Erschütterungen aus.

Neue Osnabrücker Zeitung

Die Neue Osnabrücker Zeitung macht die Politiker europaweit verantwortlich für die momentanen Ängste in der Bevölkerung und für die Milliardenverluste an den Börsen.

"Im Anschluss [an den Sonderschuldenkrisengipfel] erklären Politiker und EU-Verwaltung das Werk flugs für vollbracht und läuten vielfach ihre Ferien ein. Die parlamentarische Umsetzung in den Mitgliedsländern oder die Vermittlung der Pläne in der Heimat, sie fiel schlicht aus oder wurde in ministeriale Hinterzimmer verbannt." Für den Ärger von Kommissionschef Barroso zeigt das Blatt zwar Verständnis, geißelt seine Aussagen aber trotzdem als "unverantwortliches Öl-ins-Feuer-gießen. "So riskiert er das letzte Vertrauen, das noch jemand in eine EU-Wirtschaftspolitik hat." Im Grunde könne einzig eine kraftvolle, konzertierte Aktion der EU aus der Malaise führen, zuvorderst mit einer glaubwürdigen Neuauflage des Stabilitätspakts.

"Darmstädter Echo"

Das "Echo" aus Darmstadt kommentiert ironisch, dass Barroso sein Ziel erreicht habe:

"Er wollte aufrütteln. Damit begründete José Manuel Barroso am Freitag den Brandbrief, den er am Vortag an die Regierungschefs der 17 Euroländer geschickt hatte und dessen Inhalt er auch gleich noch an die große Glocke hängen ließ. Gemessen an dieser Zielsetzung war das Schreiben des EU-Kommissionspräsidenten ein voller Erfolg.

"Rheinische Post"

Die "Rheinische Post" nennt den EU-Kommissionspräsidenten gar ein "Sicherheitsrisiko". Das Europa von heute sei nur noch "Mittelmaß" im Vergleich der Visionen von einstigen EU-Granden wie Delors, Kohl und Mitterand.

"Man müsste den Rettungsschirm so gestalten, dass die Märkte akzeptieren: Der Euro ist nicht zu zerstören. Doch dazu fehlt dem Spitzenpersonal das Format. Die Kanzlerin verweigert anhaltend die Führung im Krisenmanagement. Barroso entpuppt sich gar als Sicherheitsrisiko für den Euro. Das Mittelmaß von heute zerstört die Visionen, die einst Kommissions-Präsident Jacques Delors erdachte und Helmut Kohl und Francois Mitterand politisch umsetzten."

jwi/DPA/AFP DPA

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