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Presseschau zur Pflegereform: Lob und Kritik zur Forderung der Abgeordneten

22 junge Unions-Abgeordnete haben einen raschen Vortoß zur Pflegreform gefordert. Sie fordern in einem Manifest die Einführung eines von den Versicherten finanzierten Kapitalstocks. Eine Presseschau.

Der Vorstoß einer Gruppe junger Unions-Abgeordneter für eine rasche Reform der Pflegeversicherung stößt gleichermaßen auf Lob und Kritik. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) begrüßte den Vorstoß, eine Kapitalrücklage in der Pflegeversicherung einzuführen.

22 vorwiegend jüngere Bundestagsabgeordnete von CDU und CSU fordern in einem Manifest die Einführung eines von den Versicherten finanzierten Kapitalstocks. Aus ihm sollen die steigenden Pflegekosten in Zukunft mitbezahlt werden. Angesichts der Tatsache, dass die Menschen immer älter würden, werde die Pflege ohne eine solche Rücklage schon bald nicht mehr finanzierbar sein. Deshalb müsse mit dem Aufbau des Kapitalstocks umgehend begonnen werden, argumentieren die Abgeordneten.

Ein Blick über die Inlandspresse zum Thema:

"Flensburger Tageblatt":

Deutschland braucht eine Pflegereform, da haben die jungen Unionspolitiker recht. Aber die Reform darf nicht zu einem Reförmchen oder einem Schnellschuss werden, wie es für diese Bundesregierung typisch ist. Nötig ist vielmehr ein durchdachtes Konzept, das den Fachkräftemangel ebenso angeht, wie die Unterfinanzierung der Pflege. Dass das langfristig nicht ohne größere Eigenbeteiligung und höhere Kosten für die Versicherten funktionieren kann, ist klar. Denn die Pflegeversicherung, so wie wir sie kennen, wird zum Opfer des demografischen Wandels. Künftig wird man also nicht nur für die Traumreise nach der Pensionierung sparen, sondern auch für den Platz im Altersheim.

"Badische Neueste Nachrichten" (Karlsruhe):

Die Jungen in der Union machen nun Druck. Sie fordern eine rasche Entscheidung, kein neuerliches Aussitzen und erst recht kein feiges Verschieben der Reform. Zu Recht. Denn je früher mit dem Umsteuern begonnen und dem Aufbau eines privaten Kapitalstocks begonnen wird, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, umso stabiler und zukunftssicherer ist das System, zumal die Kasse nur einen Teil der anfallenden Pflegekosten deckt.

"Leipziger Volkszeitung":

Wenn sich 22 junge Unionsabgeordnete zu Wort melden und eine rasche Pflegereform fordern, dann ist das zunächst das Eingeständnis, dass auch unter Schwarz-Gelb die Stagnation noch lange nicht überwunden wurde. Die Hälfte der Legislatur ist rum, es ist also höchste Zeit, um endlich aufs Tempo zu drücken. Zum ehrlichen Umgang mit dem Thema gehört die Beantwortung der Frage, was uns die Pflege wert sein sollte. Und da ist es zumindest bemerkenswert, dass sich die Jung-Parlamentarier nicht davor drücken. Ja, die Pflegeversicherung wird teurer. Und die Einführung eines Kapitalstocks ist unumgänglich. Keine angenehmen Aussichten für Beitragszahler, aber es wird daran kein Weg vorbei führen, wenn es die Koalition ernst mit der Pflegereform meint.

hw/DPA/AFP / DPA