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Radiospots zur Europawahl: CDU leiht sich Stimmen von Bruce Willis und Julia Roberts

Bruce Willis' Synchronstimme spricht den CDU-Radiospot zur Europawahl. Der Hollywoodstar weiß offenbar nix davon. Er wäre sicherlich geschockt. Auch Fans von Julia Roberts kommen auf ihre Kosten.

Manfred Lehmann spricht nicht. Kein Wort über den Radiospot, den er gerade für den Europawahlkampf der CDU gemacht hat. Schade. Es wäre schon interessant gewesen zu wissen, ob er ein Überzeugungstäter ist. Oder ob sich die Synchronstimme von Bruce Willis ("Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke") gegen Geld für alles mieten lässt. Lehmann synchronisiert auch Gérard Depardieu, Dolph Lundgren und Kurt Russel, er spricht Werbung für Nissan, Jamba und Praktiker ("20 Prozent auf alles außer Tiernahrung"). Nun also auch für die CDU. "Die SPD oder die Grünen haben mich nicht gefragt", erklärte er der Deutschen Presseagentur (dpa) knapp einen Tag nach Anfrage schriftlich. Aha.

Die Idee zum Spot, sagt ein Sprecher der CDU-Parteizentrale, entstand in der CDU-Parteizentrale - worauf er ein wenig stolz ist. Die Idee war: Für die Radiowerbung prominente Stimmen zu buchen. So kamen Lehmann und Daniela Hoffmann ins Spiel, sie ist die Synchronstimme von Julia Roberts ("Pretty Woman"). Die Parteivorsitzende Angela Merkel gab ihr Placet, Blumberry, die aktuelle Kreativagentur der CDU, führte aus. Nun also raunt uns Bruce Willis im Radio entgegen: "Haaallo, ich will Ihnen mal einen Rat geben. (...) Am 25. Mai ist Europawahl. Da gehen Sie bitte wählen und zwar die CDU. (...) Haben Sie das?!" Und Julia Roberts flötet: "Ich gehe wählen, und Sie bitte auch - am 25. Mai bei der Europawahl: CDU."

Wahlbeteiligung unter 50 Prozent

Die Spots sind nicht sonderlich aufdringlich, nicht im Stil des schwäbischen Müsliherstellers Seitenbacher, der daran interessiert scheint, blutige Audiogramme in die deutschen Gehörgänge zu hacken. Stärker noch als für die Partei werben die Spots darum, überhaupt zur Wahl zur gehen - was angesichts einer Beteiligung von weniger als 50 Prozent bei den vergangenen drei Urnengängen auch bitter nötig ist. Sollten tatsächlich mehr Leute wählen, würde die CDU ohnehin profitieren. Bei der Europawahl 2009 hatte sie 30,7 Prozent erzielt, ein miserabler Wert. Merkel will das Ergebnis nun deutlich steigern - steht aber vor dem Problem, dass sie einen europafreundlichen, die CSU aber einen eher europakritischen Wahlkampf fährt.

Aber um Inhalte geht es ja - wieder einmal - nicht. Die aktuelle Radiokampagne kann nur Aufmerksamkeit schaffen und etwas Coolness auf die CDU abstrahlen. Was die SPD dagegen setzen will, ist bislang unbekannt. Kommende Woche wollen die Genossen ihre Kampagne vorstellen.

Politik, wie Bruce sie sieht

Von der dpa befragt, ob er Willis' Einverständnis habe, für die CDU zu werben, antwortete Lehmann: "Da müsste ich ja auch Gerard Depardieu, Kurt Russel und Dolph Lundgren in Kenntnis setzten." Sprich: Der Synchronsprecher führt politisch ein Eigenleben. Vermutlich jedoch wäre Willis entsetzt. Der Hollywoodstar steht auf Waffen, Militär, eine extraschlanke Regierung und engagierte sich für den finstersten aller US-Präsidenten, George W. Bush. Für seinen Geschmack steht Angela Merkel wahrscheinlich viel zu weit - links.

lk