RAF-Terroristen Witwe warnt vor rascher Begnadigung

Um die Freilassung von inhaftierten RAF-Terroristen ist eine heftige Debatte entbrannt. Hergard Rohwedder, Witwe des ermordeten Treuhand-Chefs, appellierte an Bundespräsident Köhler. Eine Freilassung Christian Klars sei das falsche Signal.

In der Debatte um die Begnadigung von inhaftierten RAF-Terroristen haben sich Angehörige der Opfer zu Wort gemeldet. Sowohl Hergard Rohwedder, Witwe des ermordeten Treuhand-Chefs Detlev Karsten Rohwedder, als auch Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, verlangten von den Tätern Reue. Rohwedder warnte Bundespräsidenten Köhler im Fall des Terroristen Christian Klar vor einer falschen Entscheidung. Horst Köhler müsse "sehr sorgfältig überlegen, ob man nicht für die Öffentlichkeit ein falsches politisches Signal setzt, wenn man jetzt begnadigen würde, ohne dass die rechtlichen Voraussetzungen dafür auch nur entfernt gegeben sind", sagte Rohwedder der "Rheinischen Post".

"Die Begnadigung lebenslang inhaftierter Mörder ist eine ganz große Ausnahme. Dabei ist es eine Hauptfrage, ob der Täter sein Handeln bereut. Das hat keiner dieser früheren Terroristen getan", betonte Rohwedder. Michael Buback verlangt von Christian Klar ein Eingeständnis seiner Schuld. "Wenn man jetzt über Gnade redet, sollte man auch über ein Bekenntnis und Reue reden", sagte Buback dem "Spiegel". Ähnlich äußerte er sich auch in verschiedener Zeitungen. Der Berliner "B.Z." sagte er zudem: "Für uns wäre es sehr wichtig, endlich zu erfahren, wer genau meinen Vater erschossen hat."

Bosbach warnt vor Beeinflussung Köhlers

Auch der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Bosbach sagte der "Berliner Zeitung", eine Begnadigung setze Reue voraus. Zugleich warnte er vor Versuchen, Bundespräsident Horst Köhler bei seiner Gnadenentscheidung zu beeinflussen. Er allein müsse die Entscheidung treffen und diese verantworten.

Der grüne Vize-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Hans-Christian Ströbele, befürwortete die Begnadigung sowie die außerdem diskutierte vorzeitige Entlassung der Ex-Terroristin Brigitte Mohnhaupt. Sie hätten die Bedingungen für eine vorzeitige Haftentlassung offenbar erfüllt, sagte er der der hannoverschen "Neuen Presse". Außerdem habe die RAF vor Jahren ihre Auflösung glaubhaft erklärt, so dass von ihrer Seite keine Gefahr mehr ausgehe.

Der Gefängnisleiter von Brigitte Mohnhaupt plädiert für die vorzeitige Entlassung der 57-Jährigen auf Bewährung. "24 Jahre sind eine sehr lange Zeit und als Strafe ausreichend", sagte Wolfgang Deuschl, Leiter der Vollzugsanstalt im bayerischen Aichach stern.de. "Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass sie nie wieder etwas Vergleichbares machen wird. Sie wird keinen Menschen mehr töten, nicht mehr straffällig werden. Diese Zeiten sind vorbei", so Deuschl: Aus der ehemals fanatischen Terroristin sei ein ruhiger, selbstbewusster hilfsbereiter Mensch geworden. "Sie ist anerkannt unter den Häftlingen. Und ich kann sagen, dass sie mir durchaus nicht unsympathisch ist."

Ströbeles Parteifreundin, die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, sagte im Bayerischen Rundfunk, ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit und eine Distanzierung von der RAF sei wünschenswert, könne aber nicht Voraussetzung für die Freilassung sein.

Staatsanwalt fordert Bewährung für Mohnhaupt

In einer nichtöffentlichen Anhörung des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart hatte der Vertreter der Bundesanwaltschaft am Montag beantragt, Mohnhaupts Strafe zur Bewährung auszusetzen. Damit könnte die 57-Jährige frühestens am 26. März freikommen. Das OLG will seine Entscheidung in der ersten Februarhälfte bekannt geben. Zugleich mehrten sich Forderungen nach Begnadigung ihres Komplizen Klar. Auch er sitzt seit über 24 Jahren in Haft.

Mai/DPA DPA

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