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Rafael Seligmann-Interview: Bau des Holocaust-Denkmals endgültig stoppen

Rafael Seligmann: Bau des Holocaust-Denkmals endgültig stoppen

Hamburg - Der jüdische Schriftsteller Rafael Seligmann plädiert dafür, den vorläufigen Baustopp für das Holocaust-Denkmal in Berlin zum Anlass für einen endgültigen Ausstieg aus dem Projekt zu nutzen. Nur so lasse sich ein Desaster verhindern, das drohe, "die deutsch-jüdischen Versöhnungsbemühungen eines halben Jahrhunderts zunichte zu machen", schreibt Seligmann in der neuen Ausgabe des stern.

Von einem "Häufchen Bußsüchtiger unter Führung der Holocaust-Kassandra Lea Rosh abgesehen" wolle niemand in Berlin dieses Mahnmal, das "mit seinen gigantomanischen Ausmaßen eher dem Nürnberger Reichstagsgelände gleicht als einem Ort der Besinnung", meint Seligmann im stern weiter. Schon Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, habe davor gewarnt, ein Zuviel an gewollter Belehrung über die Schrecken des Völkermords könne vor allem bei jungen Menschen einen kontraproduktiven Effekt erzielen. Doch obwohl diese Psycho-Logik allen bekannt sei, werde weiter an dem Monument gebaut, das "überflüssig und gefährlich wie ein Blinddarm" sei.

Die ermordeten Juden verdienten Trauer und Andenken. Das aber, so Seligmann im stern, geschehe in Berlin vielfach, etwa in der Wannseevilla, in der Eichmann und andere hochrangige NS-Funktionäre den Genozid planten, sowie im KZ Sachsenhausen vor den Toren der Stadt. Ein "ertrotzter Betonstelenwald" würde nicht die Toten ehren, sondern die Lebenden in Unverständnis stürzen. Wem an einer deutsch-jüdischen Verständigung liege, der sollte dem Bau der Gedenkstätte endgültig Einhalt gebieten.