Schulzeit-Verkürzung Ansturm von Abiturienten erwartet


Die Zeit bis zum Abitur ist zu lang, der Nachwuchs zu alt und am Arbeitsmarkt fehlt hochqualifizierter Nachwuchs. Das soll sich ändern, indem die Zeit auf dem Gymnasium gekürzt wird. Das Problem: Durch die Umstellung werden verschiedene Jahrgänge gleichzeitig fertig.
Von Catrin Boldebuck

In der DDR brauchten die Schüler bis zum Abitur nur acht Jahre. Nach der Wiedervereinigung behielten Sachsen und Thüringen diese Regelung bei. Die westlichen Kultusministerien reagierten um die Jahrtausendwende erstmals auf die Kritik an langen Schulzeiten.

Das Saarland verkürzte als erstes altes Bundesland die Zeit bis zum Abitur um ein Jahr. Mecklenburg-Vorpommern kehrte wieder zur alten G8-Regel zurück. Seither haben alle Bundesländer die Schulzeit verkürzt oder sind dabei, das dreizehnte Schuljahr zu streichen. In Rheinland-Pfalz läuft ein Schulversuch, ausgewählte Gymnasien stellen auf G8 um.

2011 bis 2013 wird es dadurch in den großen Bundesländern doppelte Abiturjahrgänge geben. Dann werden Schüler aus dem alten G9-System und aus dem neuen G8-Jahrgang gleichzeitig fertig.

Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz (KMK) könnten dann 180.000 Studienanfänger mehr an die Universitäten drängen. Um dem Ansturm gerecht zu werden, haben Bund und Länder im Sommer den so genannten „Hochschulpakt“ beschlossen: 1,13 Milliarden Euro wollen sie den Hochschulen in den alten Bundesländern zahlen, damit sie bis 2010 zusätzlich 91.000 Studienplätze schaffen.

Doch es wollen gar nicht alle Abiturienten studieren. Die Studienanfängerquote sinkt seit vier Jahren. Viele Abiturienten machen lieber eine Lehre – und verdrängen damit Real- und Hauptschüler. Sie könnten die wahren Opfer der G8-Reform werden. Deshalb braucht Deutschland nicht nur einen Hochschulpakt, sondern einen Ausbildungspakt, um dem Ansturm der Abiturienten gerecht zu werden.


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