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Sozialsystem: Kanzler prangert Mitnahme-Mentalität an

Viele Deutsche neigen laut Schröder dazu, staatliche Sozialleistungen mitzunehmen, wo man sie kriegen kann. Diese Haltung kann "sich auf Dauer kein Sozialstaat leisten, ohne daran zu Grunde zu gehen".

Bundeskanzler Gerhard Schröder wird deutlich und prangert die weit verbreitete Mitnahme-Mentalität in Deutschland an. Die Zeitschrift "Guter Rat" zitiert den Bundeskanzler in einem am Freitag vorab veröffentlichten Interview mit den Worten: "In Ost wie in West gibt es eine Mentalität bis weit in die Mittelschicht hinein, dass man staatliche Leistungen mitnimmt, wo man sie kriegen kann, auch wenn es eigentlich ein ausreichendes Arbeitseinkommen in der Familie gibt."

Diese Haltung könne "sich auf Dauer kein Sozialstaat leisten, ohne daran zu Grunde zu gehen", sagte Schröder weiter. Die Einsicht in die Notwendigkeit von Veränderungen der Sozialsysteme sei in der deutschen Bevölkerung sehr groß, "solange diese abstrakt bleiben", wird der SPD-Politiker weiter zitiert. Aber die Einsicht schrumpfe sehr schnell, "wenn es konkret wird und der Einzelne Auswirkungen auf die eigene Lebenssituation befürchtet". Das sei zwar menschlich verständlich, aber kein Maßstab für eine verantwortungsvolle Politik.

Detailkorrekturen bei Hartz IV möglich

Schröder räumte ein, dass in den umfangreichen Anträgen zum neuen Arbeitslosengeld II möglicherweise zu intime Fragen beantwortet werden müssten. "Wo die Bürokratie im konkreten Fall über ihr Ziel hinausgeschossen ist, muss man das im Detail korrigieren", sagte er laut der Zeitschrift weiter. Der Nachweis einer Bedürftigkeit sei allerdings unumgänglich.

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