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Staatsanwalt ermittelt: Schlammschlacht bei der HSH Nordbank

Der Machtkampf bei der HSH Nordbank wächst sich zu einer der größten juristischen Schlachten der Wirtschaftsgeschichte aus. Nach "FTD"-Informationen gibt es Zweifel, dass HSH-Chef Nonnenmacher so unschuldig ist wie er behauptet.

Von Sven Clausen, Jens Brambusch und Nina Luttmer

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat die Staatsanwaltschaft Kiel inzwischen Ermittlungen wegen falscher Verdächtigungen aufgenommen, die sich im weiteren Verlauf möglicherweise gegen Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher wenden könnten.

Dabei geht es um den Fall des ehemaligen HSH-Vorstands Frank Roth. Nonnenmacher hatte im vorigen Jahr die Trennung von Roth veranlasst und staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen ihn provoziert, weil er ihn des Verrats von Konzerninterna verdächtigt hatte. Diese Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Kiel inzwischen eingestellt. Roth selbst kündigte eine Schiedsklage gegen die Bank an.

Inzwischen hat sich Nonnenmacher gegen Vorwürfe in der sogenannten Spitzelaffäre zur Wehr gesetzt. Es sei erschütternd und schwer erträglich, wenn vage Gerüchte gegen die Bank gestreut würden, sagte Nonnenmacher. Die HSH Nordbank werde die unglaublichen und perfiden Vorwürfe aufklären und Konsequenzen ziehen, sobald Erkenntnisse vorlägen. An Spekulationen wolle sich die Bank allerdings nicht beteiligen.

BaFin durchleuchtet den Fall Roth

Gleichzeitig durchleuchtet inzwischen die Finanzaufsicht BaFin den Fall Roth, wie die Bank mitteilte. Anfang der Woche waren Informationen an die Öffentlichkeit gelangt, denen zufolge die Bank ein Spitzelsystem gegen den Banker initiiert haben soll. Die Vorgänge konterkarieren die Bemühungen von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper, bei der HSH für Ruhe und Stabilität zu sorgen. Zudem wird es für das Institut immer schwerer, sich auf das operative Geschäft zu konzentrieren.

Die HSH hatte nur durch eine Eigenkapitalspritze von drei Milliarden Euro der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg überlebt. Im ersten Halbjahr war mit 380 Mio. Euro erneut ein Minus angefallen - das die Bank aber als Erfolg zu verkaufen versuchte, da zuvor deutlich höhere Verluste angefallen waren. Am Donnerstag teilte Kopper nach einer Aufsichtsratssitzung mit, die "Gerüchte und Behauptungen" dürften die Bank nicht ablenken.

Allerdings tun sich für die Landesbank derzeit nahezu täglich neue Brandherde auf. So räumte Kopper ein, dass die Kündigung des Chefs der New Yorker Niederlassung im September 2009 intern noch einmal untersucht wird. Auch hier gab es den Verdacht auf unlautere Methoden gegen den ehemaligen Statthalter.

Tiefer Riss zwischen Anteilseignern und Arbeitnehmern

Ein Dokument sorgt für Unruhe Sowohl in der Causa Roth als auch in der New Yorker Affäre stützte Kopper seinen Vorstandschef Nonnenmacher - auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse. Zugleich kündigte der Chefkontrolleur an, die Vorgänge weiter aufzuklären. Zwar verschickte Kopper seine Mitteilung im Namen des gesamten Aufsichtsrats. Nach FTD-Informationen geht durch das Gremium aber ein tiefer Riss zwischen der Anteilseigner- und Arbeitnehmerseite.

Inzwischen sorgt intern ein weiteres Dokument für Unruhe. Eine Rechnung, die der FTD vorliegt, legt den Verdacht nahe, dass auch über Vorstand Bernhard Visker Nachforschungen angestellt wurden. In der Vergütungsrechnung des Potsdamer Rechtsanwalts Joachim Erbe finden sich drei Posten mit der Bezeichnung "Arbeit am Bericht wg. Bernhard Visker" sowie ein vierter Posten mit dem Vermerk "Überarbeitung Bericht wg. Bernhard Visker".

Betreffzeile missverständlich formuliert?

In der Bank hieß es, es sei kein Bericht zu Visker angefertigt worden. Der Rechtsanwalt Erbe, der auch im Fall Roth und New York aktiv war, habe möglicherweise die Betreffzeile in seiner Rechnung etwas missverständlich formuliert. Erbe selbst wollte sich zu dem Fall nicht äußern und berief sich in einer Stellungnahme auf seine "anwaltliche Verschwiegenheitspflicht".

Nach FTD-Informationen gibt es mittlerweile auch im Topmanagement Zweifel, ob Vorstandschef Nonnenmacher wirklich geltend machen kann, von etwaigen Fehlern in der Causa Roth oder der Affäre in New York nichts gewusst zu haben. Hauptleidtragender ist bislang der Chefjustiziar der Bank, Wolfgang Gößmann. Der enge Mitarbeiter Nonnenmachers wurde vom Dienst suspendiert und erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch.

FTD

Von:

Sven Clausen und Jens Brambusch