stern-Umfrage SPD stürzt auf historisches Tief


Der Streit über eine mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei setzt der SPD massiv zu: In der jüngsten stern-Politumfrage kommen die Genossen gerade einmal auf 23 Prozent - dem schlechtesten bislang ermittelten Wert in einer Forsaumfrage. SPD-Urgestein Erhard Eppler wirbt trotzdem für linke Mehrheiten.

Die Mehrheit der Deutschen will, dass Politiker auch nach Wahlen zu ihrem Wort stehen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des stern erklärten 65 Prozent der Bürger, sie hätten kein Verständnis dafür, wenn Politiker ihr Wort brechen. Gut ein Drittel vertritt die Ansicht, dass Politiker manchmal Versprechen kassieren müssen, die sie vor einer Wahl gegeben haben.

Am ehesten auf die Ehrlichkeit von Politikern pochen die Anhänger der FDP (83 Prozent) sowie der Union (70 Prozent). Bei den SPD-Wählern sind nur 52 Prozent der Auffassung, Politiker müssten in jedem Fall Wort halten. Bei den Grünen sehen das 62 Prozent, bei der Linken 59 Prozent so.

Das Thema Glaubwürdigkeit treibt auch den SPD-Vordenker Erhard Eppler um. Im Interview mit dem stern kritisiert er, dass sich die SPD im Wahlkampf festgelegt habe, nicht mit den Linken zu kooperieren: "Es wurde nicht einkalkuliert, dass eine Situation entstehen könnte, in der sich das Versprechen nicht einhalten lässt und alles andere als ein Wortbruch noch weniger verantwortbar wäre."

Der ehemalige Minister und Kirchentagspräsident sieht seine Partei in der Pflicht, linke Mehrheiten für neue Bündnisse zu nutzen. Im Gespräch mit dem stern sagt der 81-Jährige, man könne "nicht permanent mit linken Mehrheiten halb rechte Politik machen". Dies sei auch den Wählern nicht zuzumuten. Im Volk, so Eppler, gebe es eine linke Mehrheit: "Es ist die Aufgabe der SPD, aber auch der seriöseren Kräfte in der Linkspartei, daraus eine regierungsfähige Mehrheit zu machen."

Das Verhältnis zu den Linken verglich Eppler mit den Beziehungen der Sozialdemokratie zu den Grünen: "Ich habe noch genau in Erinnerung, wie wir in den 80er und 90er Jahren weder ohne, noch mit den Grünen regieren konnten, weil sie noch nicht so weit waren", sagte er weiter. "Dann kam der Punkt, wo es ging. Ich nehme an, dass das bei den Linken auch so sein wird."

Eppler, unter anderem Minister unter Willy Brandt, verteidigte den gescheiterten Versuch der hessischen SPD, Andrea Ypsilanti notfalls auch mit den Linken zur Ministerpräsidentin zu wählen. "Wenn Koch einfach im Amt bliebe - das widerspräche nun wirklich Verfassung und Wählerwillen", sagte er.

In der Wählergunst ist die SPD nach ihren Turbulenzen um die mögliche Zusammenarbeit mit der Linkspartei auf ein historisches Tief gefallen. In der wöchentlichen Umfrage des stern und des Fernsehsenders RTL sank sie im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt auf 23 Prozent. Das ist der geringste Wert, den das Forsa-Institut je für die Partei gemessen hat.

Die Union liegt mit 38 Prozent weiter vorn. Auch die Werte für FDP (zehn Prozent) und Linkspartei (14 Prozent) änderten sich nicht. Lediglich die Grünen gewannen einen Punkt hinzu und erreichen nun elf Prozent.

Die Dramatik der vergangenen Woche macht der Blick auf die Tageswerte für die SPD deutlich: Anfang der Woche lag sie noch bei durchschnittlich 24 Prozent. Am Freitag, nach dem Scheitern der angestrebten rot-rot-grünen Zusammenarbeit in Hessen, stürzte sie auf 20 Prozent ab.

Nochmals gesunken ist das Ansehen des SPD-Vorsitzenden Kurt Beck. Gefragt, wen sie direkt zum Kanzler wählen wollen, entschieden sich nur noch 13 Prozent der Deutschen für Beck, ein Punkt weniger als in der Vorwoche. Dies ist ebenfalls der niedrigste Wert, den Beck seit seiner Wahl zum Parteichef im Mai 2006 je bei dem Forsa-Institut hatte. Von der Schwäche des Mainzers profitiert CDU-Chefin Angela Merkel: 57 der Bürger wollen sie weiter im Kanzleramt sehen.

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