TEILNEHMER Vier Delegationen am Verhandlungstisch


Auf Einladung der Vereinten Nationen nehmen vier afghanische Delegationen an der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn teil. Nicht dabei sind die Taliban. Neben den UN-Unterhändlern werden bei der Konferenz insgesamt 32 Vertreter afghanischer Gruppierungen über eine Friedenslösung verhandeln:

NORDALLIANZ

Sie übernahm nach ihren militärischen Erfolgen gegen die Taliban weitgehend die Macht in Afghanistan. In ihr sind - mit teils unterschiedlichen regionalen Machtinteressen - Tadschiken, Usbeken und Hasara vertreten. Die Nordallianz entsendet elf Delegierte. Geleitet wird die Delegation vom »Innenminister« des Bündnisses und Sicherheitschef von Kabul, Junis Kanuni. Der Anführer der Nordallianz, der Tadschike Burhanuddin Rabbani, wird nicht in Bonn erwartet.

ROM-GRUPPE

Die pro-westliche Gruppierung um den ehemaligen König Mohammed Sahir Schah entsendet - ungeachtet ihrer im Vergleich zur Nordallianz weit geringeren aktuellen Machtposition - ebenfalls 11 Delegierte, darunter zwei Frauen. Dem 87-jährigen König, der jahrzehntelang im römischen Exil lebte, wird von Beobachtern nicht mehr als eine symbolische Rolle zugewiesen. Zur Rom-Gruppe zählen auch in Deutschland lebende Exil-Afghanen.

PESHAWAR-GRUPPE

Das breite Bündnis von meist traditionellen und gemäßigten Paschtunen schickt fünf Delegierte. Es wird gestützt von Pakistan, das allerdings auch gemäßigte Taliban an Machtstrukturen beteiligt sehen möchte. Führend in dem Bündnis ist die Gailani-Sippe. Mit gut 40 Prozent Anteil an der Bevölkerung sind die Paschtunen die zahlenmäßig mit Abstand stärkste Volksgruppe Afghanistans.

ZYPERN-GRUPPE

In ihr sind Exilpolitiker und anti-westlich orientierte Paschtunen unter iranischem Einfluss vertreten. Zur fünfköpfigen Delegation gehört Humajun Dscharir, ein Schwiegersohn des fundamentalistischen Gotteskriegers und früheren Regierungschefs Gulbuddin Hekmatjar. Der im iranischen Exil lebende Hekmatjar wird für die große Zerstörung Kabuls im Bürgerkrieg zwischen 1992 und 1996 mit verantwortlich gemacht.


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