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Umfrage von "Aktion Mensch" Menschen mit Behinderung fordern mehr Barriereabbau und Verständnis

Ein Mann in einem Rollstuhl steht vor einer Treppe
Ein Mann in einem Rollstuhl steht vor einer Treppe
© cirano83 / Getty Images
Viele Menschen mit Behinderung haben es in ihrem Alltag nach wie vor schwer. Das zeigt eine Umfrage der Organisation "Aktion Mensch". Demnach bereiten besonders Ämter und Behörden große Schwierigkeiten. Auch fehlendes Verständnis der Bevölkerung wird bemängelt.

Am 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Eine Umfrage der Organisation "Aktion Mensch" anlässlich dieses Tages zeigt, dass es beim Thema Gleichstellung und Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft in Deutschland noch gravierende Mängel gibt.

Mehr als 1000 Menschen mit einer Schwerbehinderung wurden für die Studie nach ihren größten Herausforderungen im Alltag befragt. Die meisten Schwierigkeiten gebe es demnach im Umgang mit Ämtern und Behörden, dahinter folgen die Bereiche Beruf und Mobilität. Auch Freizeitgestaltung und öffentliche Einrichtungen stellen Problembereiche dar. 

Viele Probleme bei Ämtern und Behörden

"Barrierefreiheit wird oft mit Rampen, Aufzügen oder barrierefreien Eingängen gleichgesetzt", so Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch. Doch es seien nicht nur sichtbare Barrieren, die Menschen mit Behinderung das Leben schwer machten. "Oft fangen die Probleme bereits im zwischenmenschlichen Umgang oder bei bürokratischen Hürden an."

Für einen Großteil der Befragten gehöre der Umgang mit Ämtern und Behörden zu den größten Herausforderungen. 58 Prozent der Befragten gaben an, dass es ihnen vor allem an Aufklärung und Informationen zu den eigenen Ansprüchen und Rechten fehle. Problematisch seien auch umfangreiche Anträge und bürokratischer Aufwand. Hier sagten 56 Prozent, dies stelle sie vor Probleme. Gut ein Drittel (34 Prozent) habe bei Ämtern und Behörden ausgrenzendes Verhalten bereits erlebt. Knapp jede:r Zweite (47 Prozent) hatte Schwierigkeiten bei der offiziellen Anerkennung der Schwerbehinderung seitens der öffentlichen Hand, so die Untersuchung. 

Impfplan vergisst Menschen mit Behinderung

Menschen mit Behinderung kritisieren mangelndes Verständnis

Auch im beruflichen Bereich gibt es laut Umfrage Einschränkungen in der Barrierefreiheit. Knapp die Hälfte (48 Prozent) bemängelt die schlechte Verfügbarkeit von technischen Hilfsmitteln. 58 Prozent fehlt es an Verständnis seitens des Arbeitgebers oder der Arbeitgeberin.

Das dritte große Problemfeld für Menschen mit Behinderung ist die Mobilität. 58 Prozent dieser Gruppe fehlt eine uneingeschränkte Bewegungsfreiheit. Besonders die mangelnde Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln wird von 48 Prozent der Befragten bemängelt. 49 Prozent nennen fehlende Kostenübernahme ein zentrales Problem.

73 Prozent der Studienteilnehmer:innen würden sich außerdem mehr Aufklärung in der Gesellschaft und 60 Prozent ein stärkeres Bewusstsein für Barrieren. "Eine inklusive Gesellschaft bedeutet allerdings auch, dass anerkannt und verstanden wird, welchen Belastungen nicht nur Menschen mit Schwerbehinderung, sondern auch pflegende Angehörige oft ausgesetzt sind", heißt es in der Studie. Demnach würden 83 Prozent der Befragten bemängeln, dass es zu diesem Punkt zu wenig Verständnis in der Gesellschaft gibt. 

Selbstverständlicheres Miteinander gefordert

Mängel gebe es ebenfalls im Bildungsbereich. 76 Prozent sind der Meinung, dass Menschen, die eine Förderschule besucht haben, Nachteile bei der Bewerbung entstehen würden. Allerdings messen die Befragten Kitas und Schulen eine hohe Relevanz für die Entwicklung einer inklusiven Gesellschaft bei: Fast neun von zehn Befragten (88 %) meinen, dass in Kitas und Grundschulen der Grundstein für eine inklusive Gesellschaft gelegt werden könne.

Aus der Befragung gehen auch konkrete Forderungen hervor. 75 Prozent fordern, es müsse ein selbstverständlicheres Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung geben. 70 Prozent aller Befragten sehen den Staat in der Informationspflicht. Außerdem fordern 67 Prozent der Menschen mit Schwerbehinderung, dass die Bahn so barrierefrei sein muss, dass Menschen mit Behinderung genauso spontan mit dem Zug reisen können wie Menschen ohne Behinderung, so die Umfrage.

Die Studie "Zentrale Herausforderungen im Alltag aus Sicht von Menschen mit Schwerbehinderung" wurde von Ipsos Public Affairs im Auftrag der "Aktion Mensch" durchgeführt. 1001 Menschen mit Schwerbehinderung wurden dafür befragt.

rw

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