Umfrage Was die Deutschen glücklich macht


Was macht Sie glücklich? Ist es der Sonnenschein? Ihr Urlaub? Hemmungsloser Sex? Ihr Kind? Oder gar der Job? In einer neuen Umfrage haben die Deutschen nun verraten, in welchen Situationen ihnen das Herz aufgeht.
Von Florian Güßgen

Es war ein frühlingshafter Vormittag in Berlin. Der Himmel war blau. Die Sonne strahlte. Genau die richtige, beschwingte Stimmung also, um eine Antwort auf eine der wichtigsten Fragen des Lebens zu bekommen: Was macht uns Deutsche glücklich? In welchen Momenten, in welchen Situationen geht es uns am besten? Beim Fußball-Gucken? Beim Handball-Gucken? Beim Sex? Oder doch bei der Arbeit?

Sex nur auf Platz sieben

Weit gefehlt. Der Urlaub ist jene Situation, die uns das Herz aufgehen lässt! Was sonst? Malle. Antalya. Oder auch was Fernes. Völlig egal! Hauptsache weg! Nur eines macht uns vergleichbar happy: die Liebe, genauer: das Sich-Verlieben. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des ehrwürdigen Allensbacher Instituts für Demoskopie. Die Psycho-Zeitschrift "Emotion", die, wie stern.de auch, im Hamburger Verlag Gruner und Jahr erscheint, hat die Erhebung in Auftrag gegeben und mit viel Geklapper in Berlin vorgestellt. Laut Umfrage sagten 73 Prozent der Befragten, dass es im Urlaub Situationen gab, in denen sie Glück erlebten. Ebenfalls 73 Prozent sagten, sie hätten Glück empfunden, als sie verliebt waren. Weiter hinten im kollektiven, deutschen Glücks-Ranking landen andere Momente: Das Zusammensein mit Freunden (70 Prozent) auf Platz drei, das Bestehen einer Prüfung auf Platz vier (63 Prozent), das Zusammensein mit dem Partner (63 Prozent) und das Meistern einer schwierigen Situation (63 Prozent). Die schnöde Lust, der Sex, landet, hört! hört!, im Glücks-Ranking der Deutschen mit 56 Prozent nur auf dem siebten Platz - allerdings noch vor der Geburt eines Kindes (55 Prozent) und einer Situation, in der es im Job gut läuft (51 Prozent).

Fern von Finnland, fern von Vanuatu

Wer der Glücks-Präsentation im Hause der Bundespressekonferenz lauschte, konnte viel über das Glück lernen. Zum Beispiel, wie "Emotion"-Chefredakteurin Bettina Wündrich sagte, dass die "Suche nach Glück ein Trend der Zeit ist", und dass Glück längst nicht mehr eine Sache des Zufalls ist, sondern dass man mittlerweile auch erforscht, welche Faktoren Menschen glücklich machen, welche Umstände, welche Erfahrungen, welche Einstellungen. Wer vor lauter Glück einen Sinneswandel der als eher melancholisch-skeptisch-schwermütig berühmten Deutschen vermutete, wurde von Matthias Horx, dem Trend-Forscher, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Denn nach Horxscher Beobachtung sind die Deutschen weder so glücklich wie der sozialdemokratisch-ausgewogene Skandinavier an sich, also der Däne oder der Finne, noch so glücklich wie die Bewohner des pazifischen Archipels Vanuatu, die laut Erhebungen der internationalen Glücksforscher-Gemeinde ja bekanntermaßen zu den glücklichsten Menschen überhaupt gehören.

Der Deutsche ist ein Romantiker

Nein, sagte Horx, der Deutsche an sich sei ja eher ein Romantiker, der eher zur Apokalypse neige, zum Untergang also, zum skeptischen Blick in eine vermeintlich düstere Zukunft. "Die Deutschen sind das Prekariat des Glücks", formulierte Horx. Man sehe sich als vom Schicksal getrieben, nicht als diejenigen, die die eigene Zukunft glücklich gestalten könnten. "Ein selbst bestimmter Glücksbegriff ist in Deutschland schwer zu vermitteln", beklagte Horx. "Wir haben einen zu hohen Anteil von Status-Fatalisten in Deutschland", pflichtete Renate Köcher bei, die Chefin des Allensbacher Instituts. Beiden Einschätzungen widerspricht ein wenig, dass laut Allensbach-Umfrage insgesamt 79 Prozent der Deutschen glauben, ihr Lebensglück "sehr stark" (14 Prozent) oder "zumindest teilweise" (65 Prozent) beeinflussen zu können. Nur 18 Prozent vermeinen, ihr Glück "gar nicht" (2 Prozent) oder "nur wenig" (16 Prozent) in der Hand zu haben. Auch erscheint eine zu düstere Betrachtung des Glücks der Deutschen falsch, wenn man in Betracht zieht, dass sich laut Studie 72 Prozent auf einer Skala von 1 bis 10 in den oberen Glücksrängen von 5 bis 10 verorten.

Alles eine Frage des "Glücksmanagements"

Aber einerlei. Trotz der vermeintlichen Wettbewerbsnachteile der Deutschen im globalen Glücksempfinden gibt die Studie einige Anhaltspunkte, wie man glücklich werden kann. Demnach macht uns Gesundheit glücklich (76 Prozent), eine glückliche Partnerschaft - wie soll es anders sein? - macht uns glücklich (65 Prozent), eine Familie (63), Kinder (49), Job (48), Haus (43), Freiheit (41) und so weiter und so fort. Dabei haben besonders Frauen, junge Menschen und besser Gebildete laut Allensbach-Erhebung eine besonders hohe Chance, die Empfindung des Glücklichseins zu erreichen. Der Mann an sich, der ältere Mensch an sich, und der weniger gebildete Mensch an sich, sie alle tun sich mit dem Glück relativ schwerer. Was natürlich die Frage aufwirft, "wie man das Glücksmanagement in einer alternden Gesellschaft gestalten kann", wie Köcher es formulierte.

Aber weshalb sollte man auch dieser Entwicklung allzu skeptisch entgegenblicken? Als man nach der Pressekonferenz ins Freie trat, hatte sich der Himmel über Berlin zwar zugezogen, er zeigte sich wieder Grau in Grau. Aber hin und wieder blinzelte noch ein Sonnenstrahl auf das Regierungsviertel. Es war immer noch wärmer als an den vergangenen Tagen. Die beschwingte Stimmung vom Vormittag hielt an.


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