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Und jetzt ... Django Asül Demokratie ist, wenn Merkel für alle entscheidet


Der letzte Donnerstag markierte einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Galt früher die Stabilität der Währung als höchstes Gut, hat sich nun der Bundestag mehrheitlich umorientiert.
Eine satirische Abrechnung von Django Asül

Das mit der stabilen Währung gilt ab sofort als antiquiertes, zukunftshemmendes Idealistengewäsch. Und ob Steuergelder deutscher Steuerzahler tatsächlich in und für Deutschland genutzt werden sollten oder doch lieber für Länder, die früher oder später ohnehin Pleite gehen, ist eine Frage, die laut Bundesregierung sowieso nur hoffnungslose Dumpfbacken und Wochenendpopulisten stellen.

Aber dennoch gibt es selbst in Merkels Reihen Stimmen, die partout nicht mehr umgestimmt und auf den Weg der Merkelschen Vernunft gebracht werden wollten. Und darüber kann man nicht einfach hinweggehen. Schließlich geht es auch um die Frage, ob Deutschland eine parlamentarische Demokratie ist oder Abgeordnete doch ihr Gewissen und ihren Verstand im Dauereinsatz haben dürfen. Die Entscheidung über den Euro-Rettungsschirm war nämlich laut Fraktionschef Kauder gar keine Gewissensentscheidung. Ob Deutschland billionenschwere Verpflichtungen auf sich nimmt, ist eher eine Entscheidung, die ein Parlamentarier lieber der Kanzlerin und dem Finanzminister überlassen sollte.

Dürfen in der Demokratie auch Gegenstimmen zu Wort kommen?

Aber dieser logischen Argumentation wollten just zwei Schwergewichte nicht folgen: Parlamentspräsident Lammert und Innenexperte Bosbach. An ihnen will Merkel mitsamt ihren Getreuen ein Exempel statuieren. Denn die beiden haben einen Grundsatz einfach nicht verinnerlicht: Demokratie ist, wenn Merkel für alle in der CDU entscheidet und der Rest die Klappe hält. Schließlich handelt die Kanzlerin traditionell alternativlos. Also braucht es auch keinerlei Diskussionen und schon gar nicht Abweichler. Lammert hingegen hat ein Rad ab, weil er tatsächlich glaubt, in einer Demokratie dürfen auch Gegenstimmen zu Wort kommen. Und er will, dass Politik transparent und für die Menschen im Lande auch nachvollziehbar wird.

Da kann Merkel maximal vielleicht müde drüber lächeln. In Extremfällen (und wenn Merkel regiert, ist der Extremfall die Normalität) muss Demokratie auf Automodus umgeschaltet werden. Wie soll das einzig stabile Euro-Land regiert werden, wenn sogar ein Parlamentspräsident die Autokratie unterwandert und Abweichler ans Rednerpult lässt? So was ist statt Balsam eher Gift auf die Nervenbahnen der Finanzmärkte. Die Märkte brauchen nämlich keine Demokratie, sondern verlässliche Rückzahler von Staatsschulden.

Wenn sich der Himmel zuzieht

Hat Lammert, der seit Jahrzehnten im Bundestag sitzt, immer noch nicht kapiert, dass die Welt ökonomisch mittlerweile von China und Indien abhängt? Also von Ländern, deren Demokratieverständnis angenehm demokratiefern ausgelegt ist? Wo Leute dazwischenquatschen, hat das Wachstum kaum Chancen. Da hilft die Lammertsche Kleinkariertheit in juristischen Fragen auch nicht weiter.

Demokratie ist eine Schönwetterveranstaltung. Und wenn sich der Himmel zuzieht, geht man heim, macht Fenster und Türen zu und wartet gebannt auf die Erleuchtung der Kanzlerin.

Die Schönheitsstandards des Herrn Pofalla

Dass neben Lammert auch Bosbach anderer Ansicht ist, sei ihm unbenommen. Aber dann braucht er auch nicht im Bundestag sitzen. Wobei Bosbachs Nein zum finanziellen Kollaps des Bundeshaushalts zusätzlich noch eine ästhetische Dimension hat. Kanzleramtsminister Pofalla (das ist der Mann, den Loriot als Zeichentrickfigur entworfen hat und der irgendwann auch in Echt auf die Welt kam) ließ Bosbach nämlich vor Augen- und Ohrenzeugen wissen, dass er dessen Fresse nicht mehr sehen könne. Die Präzisierung dieser Aussage erfolgte indes leider nicht.

Was natürlich nur weitere Fragen aufwarf: Hat Pofalla ein Problem mit den Augen, so dass er selbst langjährige Weggefährten wie Bosbach nur noch akustisch wahrnehmen kann? Oder haben sich Pofallas Schönheitsstandards dahingehend verändert, dass er im Gegensatz zu früher das Aussehen Bosbachs nicht mehr konform sieht mit dem, was landauf landab als gut aussehend betitelt wird? Trifft ersteres zu, gebührt Pofalla Lob, weil er sich dann nicht mehr nur als politischer Blindgänger zeigt. Trifft letzteres zu, müsste Bosbach ihm auf dem Rechtsweg klar machen, dass sein Aussehen bis auf weiteres alternativlos ist. Pofalla täte ein bisschen Nachsicht gut bei derlei Themen. Er, der nicht umsonst als George Clooney der CDU gilt, sollte weniger hart umgehen mit Parteigenossen, die optisch eher auf der semimaskulin-unauffälligen Ebene angesiedelt sind.

Vielleicht wollte Pofalla auch nur Druck nehmen aus der ganzen Euro-Diskussion. Vielleicht wollte er lediglich sagen: Es ging uns vor dem Euro gut. Es geht uns mit dem Euro gut. Und wenn es den Euro in nicht mehr allzu ferner Zukunft nicht mehr gibt, gibt es genug andere Themen, über die er sich mit Bosbach unterhalten kann. Geld ist nicht alles. Das werden spätestens dann alle merken, wenn es kein Geld mehr gibt. Dann kann man sich wenigstens den wichtigen Dingen zuwenden. Demokratie zum Beispiel.

Django Asül live am 12./13.Oktober Frankfurt/Neues Theater Höchst, am 15.Oktober Aalen/Stadthalle und am 16.Oktober Konstanz/il boccone..de


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