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Und jetzt ... Django Asül Schöner wohnen mit Angela


Die Lage in Europa kann noch so desaströs sein - die Kanzlerin hat ihren Sinn für Ästhetik nicht verloren. Dass Bundes-Angela beim Aufpolieren der Fassade mit Verschönerungsnullen arbeitet, sollte nicht weiter stören.
Eine satirische Rückschau von Django Asül

Wer der Kanzlerin bei ihrer Neujahrsansprache lauschte, konnte erfahren: Die Lage ist so desolat, dass großer Optimismus angebracht ist. Im Vorjahr lautete die Botschaft: Die Lage ist so hervorragend, dass verhaltener Optimismus angebracht ist. Letzten Endes ist die Lage also völlig egal, solange Optimismus angebracht ist. Außerdem hat Europa seit fast sieben Jahrzehnten keinen Krieg mehr erlebt. Das ist nicht selbstverständlich und somit auch ein guter Grund, dass die EU zu einer Transferunion werden darf. Deutschland schenkt den anderen Staaten Geld, damit diese sich dann deutsche Produkte leisten können.

So stellt sich Merkel Europa vor. Und so ist es ja auch. Da braucht keiner mehr zu behaupten, die Kanzlerin würde die Realität gerne ausblenden. Merkel sieht Deutschland und auch Europa wie ein schönes Wohnhaus. Und Häuser müssen nun mal gepflegt werden. Man reißt ja ein Haus nicht nach fünf Jahren ab und baut ein neues dafür. Nein, es sind diese kleinen Schritte, die ein Haus immer wie neu erscheinen lassen.

Das Merkelsche Prinzip der Tippelschritte

Bisschen renovieren, bisschen restaurieren, bisschen sauber machen. Das ist auch das Merkelsche Prinzip der vielen kleinen Tippelschritte. Wann sieht ein Haus denn wie neu aus? Richtig, wenn die Fassade in Topform ist. Aber dennoch wurde vergangene Woche der Vorwurf laut, die Bundesregierung würde sich in Sachen Arbeitslosenstatistik nur um die Außenwirkung scheren und hätte die Zahlen deshalb geschönt.

Unglaublich ist das! Also nicht das Schönen, sondern der Vorwurf. Vielmehr sollte das Volk froh sein, eine Regierung zu haben, die ihren Sinn für Ästhetik und Außenwirkung nicht verliert. Eine ungeschönte Statistik ist generell eine unschöne Statistik. Und das kann ja nun wirklich niemand wollen. Der Aufschrei zeigt doch nur, wie effektiv die Merkel-Truppe bei diesem Vorhaben war. Was liegt da näher als der Gedanke, das als schwierig geltende Jahr 2012 verstärkt mit Schönungsinitiativen aufzupolieren? Zeit dafür hätte Merkel genug.

Die Politik wird von Technokraten und Märkten gemacht beziehungsweise erledigt. Das Geld wird von der EZB gedruckt. Also kann sich Bundes-Angela fragen, was als nächstes geschönt wird. Zuvorderst anbieten würde sich natürlich die Staatsverschuldung von über zwei Billionen Euro. Das ist keine schöne Zahl. Gerade weil Deutschland als mustergültiges Beispiel für solide Finanzen gilt. Zwei Billionen Euro sind da schon ein unrühmlicher Schandfleck. Nur mal so als Veranschaulichung: Für so eine gigantische Summe mit unvorstellbar vielen Nullen muss selbst der Chef von Goldman Sachs mindestens dreieinhalb Jahre arbeiten.

In Kooperation mit Finanzminister Schäuble könnte Merkel versuchen, im Laufe des Jahres zumindest die letzten drei Nullen wegzukriegen. Die dadurch eingesparten Nullen können wiederum zur Verschönerung an anderer Stelle sofort reinvestiert werden, damit keine bilanzielle Schönungsunwucht entsteht. Das wäre nämlich die Vorstufe zum Leistungsbilanzdefizit und somit wahres Teufelszeug.

Drei Nullen zum Verschönern

Die erste Null könnte optimal eingesetzt werden beim 2012er Wirtschaftswachstum. Statt den erwarteten 0,4 Prozent würden gerade im Hinblick auf die Bundestagswahl 2013 satte 4,0 Prozent der siechenden schwarz-gelben Regierung gehörig Auftrieb geben. Kritiker mögen nun einwenden, so ein gewaltiges Wachstum würde den deutschen Arbeitsmarkt heillos überfordern, weil ja ohnehin Hunderttausende von Facharbeitern fehlen würden.

Dem könnte der Einsatz der zweiten eingesparten Verschönerungsnull entgegenwirken. Aus fehlenden 300.000 Facharbeitern würden dann läppische oder notfalls lettische 30.000. Diese mickrige Anzahl kann locker durch 400-Euro-Arbeitskräfte abgedeckt werden.

Und schon findet die dritte eingesparte Verschönerungsnull ihr Einsatzgebiet: Aus 400-Euro-Jobs werden 4000-Euro-Jobs, womit die Inlandsnachfrage dermaßen gepusht wird, dass man sich spätestens 2013 fragen muss, ob das Wachstum nicht mehr geschönt werden sollte. Ein Wachstum von dann real vier und geschönt vierzig Prozent wäre nämlich im wahrsten Sinne des Wortes zu viel des Guten. Daher eine ungeschönte Prognose für 2012: Das Jahr wird eher 366 statt 3660 Tage haben. Mit nach wie vor vielen Nullen an der Macht.

Eine satirische Rückschau von Django Asül

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