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Und jetzt … Django Asül: Ein Kuscheltest für Banken

Stress im Sommer kann wirklich niemand gebrauchen. Am wenigsten die Banker, auf denen sowieso immerzu rumgehackt wird. Auch Angela Merkel hat eine Methode, Stress zu vermeiden: Sie ignoriert beharrlich jede Umfrage zur CDU.

Ein satirischer Sommergruß von Django Asül

Ab diesem Wochenende ist Deutschland kollektiv in den wohlverdienten Sommerferien. Die Volksseele darf endlich wochenlang baumeln. Je nach Interessens-, Finanz- oder Verkehrslage am Mittelmeer, im örtlichen Freibad oder im Stau. Da ist es gut, wenn kurz davor noch alle wichtigen Institutionen ihre Konstitution und Sinnhaftigkeit überprüfen. Nur so lassen sich böse Überraschungen bei Dienstantritt nach der Sommerpause vermeiden.

Bekanntlich regiert nicht die Politik, sondern Geld die Welt. Da im Regelfall die Banken und nur im Regelunfall Kopierspezialisten die Herrscher über das Geld sind, steht die Finanzbranche besonders im Fokus. Geht es den Banken gut, ist der Rest fast schon egal. Daher ist so ein Stresstest ein idealer Weg, um festzustellen, ob im Einzelfall ein Persilschein oder doch eher ein Attest ausgestellt werden darf. Konzeptionell zu sehr durchdacht darf so ein Stresstest jedoch nicht ausfallen. Das Bankwesen hat nämlich eine gar sonderbare Stellung in diesem Universum. Mit Ausnahme der Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben Banken mit der Realwirtschaft relativ wenig am Hut. Aber große Teile der Realwirtschaft sind auf den Kooperationswillen der Banken angewiesen. Ein negativer Befund für eine Bank beim Stresstest bedeutet also für die Wirtschaft allgemein mehr Stress als für die Bank selber. Wenn ein paar Banken niesen, kriegt die halbe Weltwirtschaft eine Lungenentzündung. Damit ist klar: Um der Wirtschaft nicht zu schaden, muss der Stresstest einen hohen Plüschfaktor haben.

Die Kriterien mussten also so gewählt werden, dass eine Bank, die im Prinzip nur noch ein einziger Lungentumor ist, als bestenfalls leicht erkältet gilt. Das sogenannte Worst-Case-Szenario war vom tatsächlich möglichen Worst Case beruhigend weit weg. Auf eine zwischenmenschliche Ebene transferiert, würde der Stresstest in etwa so lauten: Besteht die Gefahr eines Amoklaufs, wenn ein Mann feststellt, dass seine Frau nur drei statt vier Packungen Milch gekauft und am selben Tag der Sohn die Reste seines Pausenbrotes unter der Schulbank vergessen hat? Oder noch besser: Wie groß ist die Möglichkeit eines Atomkrieges, wenn ein pakistanischer Kellner in einem indischen Lokal in London stolpert und dabei einem Südkoreaner mit nordkoreanischen Wurzeln stilles Wasser über die linke Sandale kippt?

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In Deutschland rasselte nur die Hypo Real Estate durch diesen Kuscheltest. Dabei hätte die HRE gar nicht mitmachen brauchen, weil sie ja eher ein börsennotiertes Hütchenspiel statt eine Bank ist. Alle anderen Häuser meisterten die Angelegenheit souverän. Nicht durch umsichtiges Handeln, sondern eher durch den Sozialismus, auf den sich das Bankentum verlassen kann. Das, was diese Banken als Eigenkapital bezeichnen, ist reinstes Fremdkapital. Um nicht zu sagen Bürgerkapital. Nur hat nicht der Bürger entschieden, dass er seine Steuern der Finanzwelt schenkt, sondern die Kanzlerin. Wenn es hart auf hart kommt, hält Frau Merkel scheinbar den Sozialismus für die stabilere Variante der Volksökonomie. Wenn alles wunderbar läuft, kann man es immer noch mit freier Marktwirtschaft probieren.

Diese Flexibilität kommt beim Steuerzahler nicht ganz so gut an wie bei den Banken. Die neueste Umfrage widerspricht dieser These wahrlich nicht. Diese Zahlen muss man sich erst mal auf dem Taschenrechner zergehen lassen: Die Union erstmals seit dem Wiener Kongress von 1848 unter 30 Prozent! Union und FDP zusammen bei 34 Prozent! Umgelegt auf die zuletzt übliche Wahlbeteiligung stimmt derzeit je nach Luftfeuchtigkeit nur jeder Siebte bis Neunte für das, was sich einst nicht nur Union nannte, sondern auch so fühlte.

Die Kanzlerin sollte sich davon nicht irritieren lassen. Sie wird auch weiterhin Führungsstärke demonstrieren statt populistisch zu agieren. Also das tun, was sie für richtig hält. Und nicht das, was einfach nur richtig ist. Die Zeit nach der Sommerpause wird für die CDU praktisch zum Dauerstresstest. Die ultimative Frage lautet: Was passiert mit der CDU, wenn auch ihr letzter Wähler kapiert hat, dass Merkels Ideal eine SPD ohne Mindestlohn ist? Sollte es die CDU dann nicht mehr geben, wird es niemandem auffallen. Oder fällt momentan irgendwem auf, dass es die CDU noch gibt?

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