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Untersuchung des Verkehrsministeriums: "Bei den Brücken tickt eine Zeitbombe"

Ein interner Bericht des Bundesverkehrsministeriums deckt erhebliche Mängel an alternden Spannbeton-Brücken auf. Etwa 15 Prozent der Verbindungen werden als "ungenügend" oder "kritisch" eingestuft.

Rund 15 Prozent der Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen aus Spannbeton sollen laut einem internen Bericht des Bundesverkehrsministeriums in schlechtem Zustand sein. Bei 12,6 Prozent der Bauwerke würde der Zustand als "kritisch" bezeichnet, bei 2,4 Prozent sogar als "ungenügend", zitiert die "Bild am Sonntag" aus dem wissenschaftlichen Untersuchungsbericht über "Qualität, Dauerhaftigkeit und Sicherheit von Spannbetonbrücken" an den Bundestag. Demnach gelten außerdem 31,3 Prozent der Brücken als "noch ausreichend". Der Zustand der Bauwerke verschlechtere sich rapide. So erhielten im Jahr 2001 noch 17,6 Prozent die Note "sehr gut". Heute seien es nur noch 7,1 Prozent.

Eine gute Infrastruktur werde verschlissen

"Bei den Brücken tickt eine Zeitbombe", sagte der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich dem Blatt. "Niemand weiß, ob eine als ’ungenügend’ oder ’kritisch’ eingestufte Brücke jedem schweren Lkw-Unfall standhält", fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu. Der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer sagte: "Die Zahlen in dem Bericht sind ein Alarmsignal. Wir dürfen unsere - im Großen und Ganzen - gute Infrastruktur nicht auf Verschleiß fahren und müssen was für die Substanzerhaltung tun. Hier sind je nach Baulastträger Bund, Länder und Gemeinden in der Verantwortung."

Dem Untersuchungsbericht des zuständigen Ministers Wolfgang Tiefensee zufolge sind viele der in den 60er und 70er Jahren gebauten Brücken aus Spannbeton errichtet worden, der nach Einschätzung von Experten heutigen Ansprüchen bei weitem nicht mehr genügt. "Die Brücken sind auch auf Grund ihres Alters in einem kritischen Zustand", sagte Rainer Kunterding vom Unternehmen Dekra, das zahlreiche Brücken in Deutschland prüft. "Wir gehen von keiner akuten Gefährdung aus, denn sonst müssten die betreffenden Brücken sofort gesperrt werden", sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums dem Blatt. Es würden aber bestimmt nicht von heute auf morgen Brücken einstürzen.

AP/Reuters / AP / Reuters