Urteil gegen Mario M. Die Tränen der Erleichterung


Höchststrafe für Stephanies Peiniger: Mario M. ist zu 15 Jahren Gefängnis und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Stephanies Eltern reagierten erleichtert und berichteten von der großen Angst ihrer Tochter.

Der Angeklagte verzieht keine Miene. Gerade hat das Dresdner Landgericht ihn wegen der Entführung und des wochenlangen sexuellen Missbrauchs der Schülerin Stephanie schuldig gesprochen. Gerade hat der Vorsitzende Richter die Höchststrafe gegen ihn verhängt - 15 Jahre Gefängnis und anschließende Sicherungsverwahrung. Den bulligen Mann mit dem kahlgeschorenen Kopf aber scheint das nicht zu berühren. Starr schaut der von mehreren Wachleute umstellte Mario M. nach unten auf die Tischplatte.

Ein paar Meter weiter, schräg gegenüber, liegen sich in dem Moment die Eltern von Stephanie still in den Armen. Sie sind am Tag der Urteilsverkündung gemeinsam in den Gerichtssaal gekommen. Und es ist zu spüren, wie schwer ihnen dieser Gang gefallen sein muss, wie groß die Anspannung gewesen sein muss in den letzten Monaten und Wochen. Während der Richter Tom Maciejewski das Urteil kurz begründet, halten sie einander fest. Als er über die grausige Tat spricht, kämpfen sie immer wieder mit den Tränen.

Zuvor haben sie immer wieder zum Angeklagten hinübergeschaut. Der aber wendet sich ab, sein Gesicht meist in einer Hand verborgen. Blicken weicht er aus. Als er an Füßen und Händen gefesselten in den Gerichtssaal geführt wird, stellt er sich sofort mit dem Gesicht zur Wand. Die vielen Fotografen und Kameraleute bekommen zumeist nur seinen Hinterkopf zu sehen.

Maciejewski erinnert noch einmal an den 11. Januar, als Stephanie auf dem Schulweg entführt wurde. Er spricht davon, dass der einschlägig vorbestrafte Täter die Tat lange geplant hat. Und davon, dass es ihm vor allem darum ging, seine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen. Nicht mal eine Stunde nach der Entführung vergewaltigte er das Kind das erste Mal.

"Stephanie war fünf Wochen ohne Pause einem Martyrium ausgesetzt", sagt der Richter und schaut hinüber zum Angeklagten. Er erinnert daran, wie der drohte, sie auf grausame Weise zu töten. Wie er sie schlug und wie er bei nächtlichen Ausgängen immer ein Messer bei sich hatte, um sie einzuschüchtern. Und wie er sie immer wieder auch in eine winzige Holzkiste sperrte. Geknebelt, um sie am Schreien zu hindern. "Stephanie hatte Angst, zu ersticken", sagt der Richter. "Und sie hatte Angst, ihre Eltern nie wieder zu sehen." Niemand könne erahnen, was sie durchgemacht habe.

Stephanie hatte am Ende selbst zu ihrer Befreiung beigetragen, indem sie bei den Ausgängen heimlich Zettel mit Hilferufen fallen ließ. Ein Passant hatte einen solchen Hilferuf auf Papier am 15. Februar entdeckt, fünf Wochen nach ihrer Entführung.

Der Richter macht in seiner Urteilsbegründung auch deutlich, dass er diesen Angeklagten für weiterhin hochgefährlich hält. Wegen seines Hanges zu schweren Straftaten, wegen seiner Unberechenbarkeit und zum Schutz der Allgemeinheit habe die Kammer auch die Sicherungsverwahrung angeordnet. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von dessen Flucht auf das Gefängnisdach. Nach Verbüßung der Strafe muss er nun für unbestimmte Zeit hinter Schloss und Riegel bleiben, womöglich ein Leben lang.

"Wir sind sehr froh über dieses Urteil", sagt Stephanies Mutter noch im Gerichtsgebäude den Reportern. Sie berichtet, dass Stephanie auch an diesem Tag zur Schule gegangen ist. Und dass ihr Bruder sie dort aufsuchen und über den Ausgang des Prozesses informieren wollte. Während sie spricht, fließen Tränen über ihr Gesicht. Es sind wohl auch Tränen der Erleichterung. Noch am Morgen, sagt sie leise, habe Stephanie erklärt, das Leben habe für sie keinen Sinn mehr, sollte der Angeklagte nicht in Sicherungsverwahrung kommen. Nun könne Stephanie endlich, endlich ein wenig zur Ruhe kommen. Stephanies Vater hat Tränen in den Augen, als er allen dankt, die zur Befreiung seiner Tochter beigetragen haben, die sich an der Suche beteiligten, Plakate klebten. Dann versagt ihm für einen Moment die Stimme.

Reuters Reuters

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