Verdurstetes Baby Mutter wegen Totschlags angeklagt


Die Mutter des verdursteten Säuglings in Sömmerda steht vor Gericht. Die 20-Jährige hatte ihre zwei Kinder vier Tage allein in der Wohnung gelassen. Nur die ältere Tochter überlebte. Die Richter müssen nun entscheiden, ob in dem Fall Erwachsenen- oder Jugendstrafrecht gilt.

Weil sie ihren neun Monate alten Säugling Leon Sebastian in Sömmerda qualvoll verdursten ließ, muss sich die 20-jährige Mutter seit Mittwoch vor dem Landgericht Erfurt wegen Totschlags verantworten. Conny Elisabeth N. hatte ihren Sohn und ihre zweijährige Tochter Lena Isabell vom 10. Dezember 2006 an vier Tage allein in der Wohnung zurückgelassen. Das Mädchen wurde gerettet. In seinem Fall wirft die Staatsanwaltschaft der Mutter versuchten Totschlag durch Unterlassen vor.

Die arbeitslose 20-Jährige hatte den Kindern Essen und Trinken bereit gelegt. Der kleine Leon Sebastian starb an Austrocknung. Die Polizei hatte am 14. Dezember auf Drängen des Jugendamtes die Wohnung aufgebrochen und dort die Leiche des stark dehydrierten Babys in seinem Gitterbett gefunden. Die zwei Jahre alte Schwester Lena Isabell zeigte ebenfalls Zeichen mangelnder Flüssigkeitsaufnahme. Das Mädchen war in eine Klinik gebracht worden und lebt jetzt bei Pflegeeltern. Das Jugendamt hatte die Kleinkinder in seine Obhut nehmen wollen, nachdem der Versuch, dem Vater am 8. Dezember das Sorgerecht zu übertragen, gescheitert war.

Der Junge ist verdurstet

Zu einem weiteren Termin am 11. Dezember vor dem Familiengericht sei das seit Juli 2004 verheiratete Paar nicht erschienen. Laut Aussage der Mutter waren die Kinder in den betreffenden Tagen völlig allein in der unbeleuchteten Wohnung, für die seit Anfang November der Strom abgeschaltet worden war. Sie waren nicht unterernährt, Todesursache des kleinen Jungen sei eindeutig der Flüssigkeitsentzug gewesen, hieß es. Die 20-Jährige habe bei den Ermittlungen angegeben, nach der Trennung von ihrem Ehemann im Lauf des Jahres 2006 überfordert gewesen zu sein. Wegen abhanden gekommener Unterlagen habe sie auch keine staatlichen Leistungen beantragen können. Dies habe dazu geführt, dass Mietrückstände aufgelaufen seien und sie auch die Stromrechnungen nicht habe bezahlen können.

Gegen den 25-jährigen, getrennt lebenden Vater habe kein Tatverdacht bestanden. Die Ermittlungen gegen den Arbeitslosen seien wieder eingestellt worden. Auch die Freundin, bei der sich Conny Elisabeth N. während der fraglichen Zeit aufgehalten und die offenbar nichts unternommen habe, die junge Frau an ihre Mutterpflichten zu erinnern, sei nicht zur Verantwortung gezogen worden. Der Prozess wurde nach Verlesung der Anklage auf den 25. Juni vertagt. Dann solle und werde sich auch die 20-Jährige zu den Vorwürfen äußern, sagte ein Gerichtssprecher. Weiterhin werde auch ein Gutachter gehört, um zu klären, ob die Angeklagte nach Erwachsenen- oder nach Jugendstrafrecht zu verurteilen sei. Die Höchststrafe für Totschlag im Fall der Verurteilung nach Jugendstrafrecht beträgt zehn Jahre.


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