HOME

Länder überdenken Konzepte : Was die Weihnachtsmärkte jetzt sicherer machen soll

Doppelstreifen, schwere Bewaffnung und verdeckte Operationen - so sollen die deutschen Weihnachtsmärkte beschützt werden. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz spricht von einem "Kriegszustand".

Völlig zerstört ist die Front des LKWs, mit dem ein Mann auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin raste

Völlig zerstört ist die Front des LKWs, mit dem ein Mann auf einen Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin raste

Nach dem wahrscheinlichen Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt überdenken die Bundesländer ihre Sicherheitskonzepte. "Es wird alles getan um die bestmögliche Sicherheit im Land zu gewährleisten", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Im Laufe des Tages wollen die Landesinnenminister per Telefonschalte über die Lage beraten.

"Wir müssen jetzt noch mehr Wachsamkeit und Präsenz zeigen", sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger dem WDR. Die Polizei werde in Doppelstreifen und schwerer bewaffnet kontrollieren, außerdem werde es verdeckte "Maßnahmen" geben. Dabei gehe es insbesondere darum, die islamistische Szene zu beobachten.

In Bremen steht die Polizei nach eigenen Angaben im Austausch mit den anderen Bundesländern. Die Lage werde neu bewertet. In Braunschweig zeigte die Polizei bereits am Montagabend mehr Präsenz rund um den Weihnachtsmarkt, wie ein Sprecher sagte. In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover wurden der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

"Wir sind in einem Kriegszustand"

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon, sprach von einem "Kriegszustand". Dem Saarländischen Rundfunk sagte der saarländische Innenminister: "Wir müssen konstatieren, wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten". Bouillon kündigte verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Es stehe zu befürchten, dass es Nachahmer gebe.

"Wir werden, wo wir es für erforderlich halten, auch mit schwerem Gerät antreten", sagte der CDU-Politiker. "Das heißt Langwaffen, Kurzwaffen, Maschinenpistolen“, auch wenn dies martialisch klinge. 

"Wir haben befürchtet, dass es weitere Anschläge geben kann"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat unterdessen die Arbeit der Polizei verteidigt. Diese sei "ziemlich gut gerüstet", sagte der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow im Bayerischen Rundfunk. Dies habe auch "die schnelle Festnahme des Tatverdächtigen" gezeigt. "Aber bei 2500 Weihnachtsmärkten können Sie keine hundertprozentige Sicherheit geben."

"Wir haben befürchtet, dass es weitere Anschläge auf Deutschland geben kann", sagte Malchow und ergänzte: "Auch Würzburg und Ansbach waren schon terroristische Anschläge." Zu möglichen Konsequenzen sagte der GdP-Chef: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man 2500 Weihnachtsmärkte jetzt dicht macht." Dies würde auch "außer Acht lassen, dass im Grunde genommen jeder öffentliche Raum, in dem sich mehrere Menschen aufhalten, dann irgendwie abgesperrt sein müsste".

An einer Absperrung vor der Berliner Gedächtniskirche steht ein Polizist, während im Hintergund Rettungswagen stehen

Appelle an die Bevölkerung 

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier forderte die Bürger auf, sich nicht einschüchtern zu lassen. Das sei genau das, was solche Täter erreichen wollten, sagte Caffier dem Sender NDR 1 Radio MV. Die Menschen sollten zwar aufmerksam sein, sich aber nicht vom Besuch eines Weihnachtsmarktes abhalten lassen.

"Es gibt keine absolute Sicherheit", sagte Grünen-Chef Cem Özdemir im ZDF-"Morgenmagazin". Dies sei jedoch "auch keine Entschuldigung, nichts zu tun". "Wir werden in Ruhe genau schauen, ob es irgendetwas gibt, das man besser machen kann", sagte Özdemir. Einschränkungen für Weihnachtsmärkte befürwortete er hingegen nicht. "Natürlich werden wir Weihnachtsmärkte künftig machen, das ist Teil unserer Kultur, wir werden das immer verteidigen", sagte Özdemir.

Am Montagabend war ein Lkw auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin gerast. Zwölf Menschen kamen ums Leben, ein Verdächtiger wurde festgenommen. Die Polizei vermutet einen Terroranschlag. 

ivi / DPA / AFP
Themen in diesem Artikel