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Weltfrauentag: Wie leben Frauen in Deutschland?

In Deutschland gibt es viele prominente, erfolgreiche Frauen, von Angela Merkel bis Maria Furtwängler. Andererseits zeigt die Statistik, dass Frauen immer noch benachteiligt sind, zum Beispiel bei der Entlohnung. stern.de fragt seine Leserinnen: Wie erleben Sie Ihren Alltag - und was halten Sie vom heutigen Aktionstag?

Frauen sollen wählen? Politiker? Und damit die Geschicke des Landes mitbestimmen? Das konnten sich die Herren der Schöpfung nicht vorstellen. Wohl aber die Sozialistin Clara Zetkin. Sie schlug 1910 vor, einen Weltfrauentag einzuführen, um das Wahlrecht durchzusetzen. Also wurde 1911 der erste Aktionstag begangen, 1918, mit dem Ende des Kaiserreichs, kam das Frauen-Wahlrecht tatsächlich. Aber das war nur ein kleiner Schritt auf einem schier unendlichen Weg.

Aus heutiger Perspektive kaum vorstellbar: In den ersten Jahren der Bundesrepublik durften Männer noch die Arbeitsverträge ihrer Frauen kündigen - und über deren Vermögen verfügen. Der Gleichberechtigungs-Paragraph im Grundgesetz machte solchen Regelungen den Garaus, aber in der Realität blieben Ungleichheiten bis heute bestehen. Zum Beispiel:

  • Frauen verdienen nach wie vor weniger als Männer, auch wenn sie in den gleichen Jobs arbeiten. Beispiel Verkäufer: Männer kassieren durchschnittlich 2602 Euro brutto, Frauen nur 1764 Euro brutto
  • Top-Positionen in der Wirtschaft werden immer noch von Männern dominiert. Unter den Vorständen der deutschen Dax-Unternehmen gibt es nicht eine einzige Frau
  • Ältere Frauen und alleinerziehende Mütter tragen im Vergleich zu Männern das höhere Risiko, mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgrenze leben zu müssen
  • 40 Prozent der erwachsenen Frauen in Deutschland werden Opfer von Gewalt. Die Täter sind zumeist Männer.

Diese Liste ließe sich noch fortsetzen. Aber es gibt auch viele ermutigende Beispiele. Erstmals wird die Bundesrepublik von einer Kanzlerin regiert, Angela Merkel symbolisiert wie keine Zweite, dass Frauen bis in höchste Ämter vordringen können. Der Nachwuchs ist auch mehr als rege: 59 Prozent der deutschen Universitätsabschlüsse werden von Frauen gemacht. Darüber hinaus hat die EU-Kommission festgestellt, dass sich der rechtliche Schutz von Frauen in den letzten Jahren verbessert hat. In Deutschland hat sich die Debatte daher ein Stück weit verlagert - das Augenmerk liegt nun eher auf Frauen, die in Migrantenfamilien aufwachsen und unter deren Pascha-Kultur leiden oder gar von "Ehrenmorden" bedroht sind.

Aber Daten sind und Fakten spiegeln die Lebensrealität von Frauen in Deutschland nur oberflächlich wieder. Daher fragt stern.de seine Leserinnen: Wie erleben Sie Ihren Alltag? Welche Ungerechtigkeiten im Verhältnis Mann und Frau? Brauchen wir überhaupt einen Aktionstag wie den Weltfrauentag? Oder brauchen wir sogar mehr davon? Schreiben Sie Ihren Kommentar direkt hier unter die Kommentarfunktion.

lk
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