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ZDF: Geld für prügelnde Schüler?

Eine TV-Autorin soll Hamburger Schülern Geld gegeben haben, damit sie sich vor laufender Kamera prügeln. Der Beitrag lief im Magazin "ZDF-Reporter" - mit dem Off-Kommentar "Wie aggressiv die Stimmung ist, zeigen diese Bilder." Das ZDF weist die Vorwürfe zurück.

Schwere Vorwürfe gegen das ZDF: Eine Autorin soll Schülern der Hamburger Gesamtschule Mümmelmannsberg Geld dafür bezahlt haben, um Gewaltszenen zu inszenieren. Ein Schüler sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Die haben uns richtig gekauft. Erst haben Sie gesagt, sie wollten viel Positives über den Stadtteil sagen, dann wollten sie Action sehen. Wir sollten so tun, als würden wir uns prügeln und Drogen kaufen. Ich habe das so gemacht, wie die das haben wollten."

Nach eigenen Angaben bekam der junge Mann 250 Euro dafür. Der Beitrag über die Schule lief vergangene Woche im Magazin "ZDF-Reporter". Er illustrierte die Gewalt an deutschen Schulen und wurde mit den Worten eingeleitet: "Wie aggressiv die Stimmung ist, zeigen diese Bilder."

Schulleiter beschwerte sich

Der Schulleiter der Gesamtschule, Klaus Reinsch, hat sich nach Informationen des "Hamburger Abendblatts" schriftlich über den Beitrag bei ZDF-Intendant Markus Schächter beschwert. Das sei unseriöser Journalismus, schrieb Reinsch, er behalte sich vor, den Presserat einzuschalten. Der Mathematiklehrer der Schule meldete sich ebenfalls zu Wort: "Ich kenne viele seit Jahren, die sind nicht so, wie im Film dargestellt", sagte er der Zeitung.

Der ZDF-Programmbereichsleiter "Reporter/Reportage", Norbert Lehmann, hat unterdessen in einer schriftlichen Stellungnahme, die stern.de vorliegt, Zahlungen eingeräumt - diese lägen allerdings nur im Rahmen der üblichen Aufwandsentschädigungen.

200 Euro für den "jugendlichen Informanten"

Demnach erhielt ein "jugendlicher Informant" 200 Euro, die Eltern eines weiteren Jugendlichen 100 Euro. Zum Verhalten der Reporterin, die nach ZDF-Angaben für eine unabhängige Produktionsfirma arbeitet, heißt es weiter: "Die Reporterin hat bei den Dreharbeiten darauf geachtet, dass die Jugendlichen nicht durch die Kamera zu gewalttätigen Aktionen animiert wurden. Im Gegenteil bemühte sich die Reporterin um Deeskalation: Als während der Dreharbeiten eine ernsthafte Schlägerei auszubrechend drohte, ging die Reporterin dazwischen, forderte die Jugendlichen zum Einhalten auf und drohte andernfalls damit, die Polizei zu rufen. Diese Szene ist filmisch dokumentiert und liegt dem ZDF vor."

Auch in einem weiteren Fall sei sie eingeschritten. Im übrigen sei dem ZDF von Zahlungen der Produktionsfirma im Vorfeld der Ausstrahlung nichts bekannt gewesen.

lk/DPA / DPA