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Doppelanschlag in Norwegen: Verteidiger hält Breivik für unzurechnungsfähig

Sein Verteidiger hält ihn für unzurechnungsfähig. Ermittler scannen seine Kontakte in rechtsextremistische Kreise. Die Justiz prüft eine Anklage wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit. Norwegen steht zusammen in der Trauer um die 76 Opfer des Anders Behring Breivik.

Der Verteidiger des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik hält seinen Mandanten für unzurechnungsfähig und will dies auch vor Gericht vertreten. Anwalt Geir Lippestad sagte am Dienstag in Oslo: "Die ganze Sache deutet darauf hin, dass er geisteskrank ist." Er verwandte bei der Pressekonferenz den englischen Begriff "insane". Diese Linie werde er vor Gericht verfolgen. Sollte Breivik dem nicht folgen, "muss er sich einen anderen Anwalt suchen". Der 32-Jährige hatte Lippestad, selbst ein Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, persönlich gewählt. Von der Parteizugehörigkeit seines Verteidigers wisse Breivik aber wohl nichts.

Breivik hatte als Motiv für die Tötung von mindestens 68 Jugendlichen eines sozialdemokratischen Sommerlagers angegeben, dass er die Partei so hart wie möglich treffen wollte. Der Anwalt berichtete weiter, der Inhaftierte glaube, er befinde sich in einem Krieg. "Und wenn du in einem Krieg bist, kannst du Dinge wie diese machen", erläuterte er die Sicht seines Mandanten. Breivik meine, dass die Welt ihn erst in 60 Jahren verstehen werde.

Die von der Justiz angekündigte rechtspsychiatrische Untersuchung des Attentäters dürfte nach Angaben des Anwalts sechs bis zwölf Monate dauern. Auch der Gerichtsprozess werde eine "ausgesprochen lange und komplizierte Angelegenheit", sagte er.

Breivik hatte beide Anschläge gestanden, hält sich aber für unschuldig. Sollte das Gericht ihn für unzurechnungsfähig erklären, wäre die dauerhafte Einweisung in eine geschlossene und besonders gesicherte psychiatrische Einrichtung die wahrscheinliche Konsequenz. Die Staatsanwaltschaft erwägt Anklageerhebung wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit mit einer Höchststrafe von 30 Jahren Haft. Die Maximalstrafe nach dem Terror-Paragrafen im Strafgesetzbuch ist 21 Jahre im Gefängnis.

DPA / DPA
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