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Schlag 12 - der Mittagskommentar Gegen die NSA hilft nur Ironie


Der US-Botschafter musste wegen der Spionageaffäre ins Kanzleramt. Doch solche Gespräche sind eine Farce.  Ein Plädoyer gegen den hilflosen Aktionismus der Bundesregierung.
Von Axel Vornbäumen

In dem großartigen Banditen-Epos "Butch Cassidy und Sundance Kid" gibt es eine Szene, in der die beiden Helden bei einer langen Verfolgungsjagd in den Bergen in die Enge getrieben werden. Die Situation ist im Prinzip hoffnungslos. Als Ausweg ist nur noch der Sprung in eine vielleicht 20 Meter tiefe Schlucht vorhanden, durch die ein reißender Fluss führt. Butch versucht Sundance mehrfach zu überreden, doch zu springen. Der lehnt immer wieder ab. Schließlich rückt Sundance mit dem wahren Grund raus: "Ich kann nicht schwimmen."  Butch fängt an zu lachen und hört nicht mehr auf. Sundance fragt, was so komisch ist. Da sagt Butch: "Das ist doch so was von egal, wenn Du unten angekommen bist, bist du eh schon tot."

Es ist eine der schönsten Szenen von gut gelauntem Fatalismus der Filmgeschichte. Und wahrscheinlich war es gestern im Kanzleramt ganz ähnlich, als US-Botschafter John B. Emerson von Kanzleramtsminister Peter Altmaier wegen der jüngsten US-Spionage-Enthüllungen gegen deutsche Regierungsmitglieder zum Gespräch gebeten wurde. Fröhlicher Fatalismus im Angesicht nachhaltiger Ausweglosigkeit.

Emerson im Kanzleramt

Die USA spionieren weiter die aus, von denen sie behaupten, es seien ihre Verbündete. Die, von denen die USA behaupten, es seien ihre Verbündete, in diesem Fall Deutschland, kaschieren ihre resignierte Ergebenheit in ordnungsgemäßer Geschäftigkeit.

War es in etwa so?

Altmaier zu Emerson: Nehmen Sie Ihre Spionagetätigkeit unter Umständen zurück?

Emerson zu Altmaier: Nö.

Altmaier zu Emerson: Gut, dann ist für mich der Fall erledigt.

Abgang Emerson.

Altmaier, grummelnd: Fuck US-Imperialism.

(Ach nee, da haben wir jetzt was verwechselt, das war je ein anderer Saarländer – Oskar Lafontaine)

Weiter wie gehabt

Im Nachrichtenagentur-Deutsch klingt die Kanzleramts-Episode übrigens so: Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Altmaier habe deutlich gemacht, dass die Einhaltung deutschen Rechts unabdingbar sei und festgestellte Verstöße verfolgt würden. Seibert sprach von einer Belastung der Geheimdienstzusammenarbeit. 

Ja. Und jetzt? Nichts und jetzt. Weiter wie gehabt.  Ob es im Zusammenhang mit den jüngsten Spionage-Vorwürfen tatsächlich zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt, hängt auch vom Generalbundesanwalt Harald Range ab. Dessen Behörde teilte mit, Range gehe den neuen Informationen "mit Blick auf eine mögliche strafbare Handlung" nach.

Hört mehr Springsteen

Geht nach? Oder gibt nach? Da wetten wir mal drauf, das beides möglich ist. Wie heißt es nämlich aus Karlsruhe weiter: Dies bedeute aber nicht, dass die im Juni eingestellten Ermittlungen wegen des Verdachts auf einen Lauschangriff auf Bundeskanzlerin Angela Merkel durch die USA wieder aufgenommen werden.

Nein, bedeutet das nicht. Was heißt: Der Fall ist im Prinzip erledigt. Gibt’s noch was zu tun? Ja, morgen ist Nationalfeiertag der USA, 4th of July. Fenster auf, Anlage aufdrehen, Springsteen hören – Born in the USA

Ein vertrottelter US-Präsident wollte das mal für seine Wahlkampagne nutzen, weil er die Botschaft des Songs nicht kapiert hatte.

Das könnte ein Ausweg sein: Man muss die Amis, die einem so auf die Pelle rücken, mit souveräner Selbstironie auf Distanz halten. Das wäre mal ne Strategie.

Axel Vornbäumen findet von Springsteen "The River" am besten. Man kann dem Autor auf Twitter folgen unter @avornbaeumen


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