Argentinien Don't cry for me, Argentina


Vor zwanzig Jahren kehrte Argentinien nach Jahren blutiger Militärdiktatur zur Demokratie zurück. Rund 30 000 Menschen verschwanden unter der Herrschaft des Militärs. Heute leidet das Land an den Folgen der Wirtschaftskrise von vor zwei Jahren.

Argentinien hat der Rückkehr zur Demokratie vor 20 Jahren gedacht. In Schulen und Behörden wurde an die Opfer der Militärdiktatur (1976-1983) und die Bedeutung der Demokratie erinnert. Am 10. Dezember 1983 war Raul Alfonsin als erster gewählter Präsident nach den sieben Jahren blutiger Militärdiktatur in sein Amt eingeführt worden.

Die Militärs hatten im März 1976 die Regierung von Isabel Peron gestürzt. Alfonsin sagte in einer Bilanz, nach zwei Jahrzehnten Demokratie gebe es vor allem "ein enormes soziales Defizit". Dies sei die größte Bedrohung für die Demokratie.

"Mehr auf der Soll-Seite"

Der neue Präsident Néstor Kirchner, der offiziell seine Amtszeit begann, äußerte sich ähnlich. Nach 20 Jahren Demokratie stehe in der Bilanz "mehr auf der Sollseite als auf der Habenseite".

Der Peronist, der sein Amt schon am 25. Mai wegen des vorzeitigen Rücktritts von Präsident Fernando de la Rúa und dem Ende der Regierungszeit des Interimspräsidenten Eduardo Duhalde übernommen hatte, versprach alles dafür zu tun, dass seine vierjährige Amtszeit ein Erfolg werde. Vor allem die Bekämpfung der Armut, unter der mehr als 50 Prozent der Argentinier leiden, müsse Vorrang haben.

30 000 Menschen verschwunden

Die Militärs hatten bei der Jagd auf alle Bürger, die sie linker Ideen verdächtigten, Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen zufolge bis zu 30 000 Menschen verschwinden und umbringen lassen. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten und vor allem wegen des verlorenen Falklandkrieges mussten sie 1983 freie Wahlen zulassen und die Macht wieder abgeben.

Während sich Teile des Militärs Ende der 80er Jahre noch erfolgreich durch Meutereien gegen Strafprozesse wegen Verbrechen unter der Diktatur wehrten, stehen die Streitkräfte inzwischen loyal zu Kirchner, dem mittlerweile fünften Präsidenten seit der Rückkehr zur Demokratie.

Zusammenbruch in den 90ern

Die wirtschaftliche Entwicklung seit 1983 war von mehreren schweren Krisen geprägt. Ende der 80er Jahre litt das Land unter einer Hyperinflation. In den 90er Jahren folgte eine Privatisierungswelle bei gleichzeitiger heftiger Verschuldung.

Ende 2001 geriet das Land dann in die schwerste wirtschaftliche und politische Krise seiner Geschichte. Nach blutigen Straßenschlachten mit zahlreichen Toten musste De la Rúa im Dezember 2001 zurücktreten. Unter Interimspräsident Duhalde stabilisierte sich die Lage und unter Kirchner begann die Wirtschaft wieder zu wachsen, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau aus.

DPA

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