Gregorianischer Kalender Wie ein Papst den Kalender in Ordnung brachte


Der 29. Februar ist etwas besonderes und verdankt seine Existenz nur einer Ausnahme von der Ausnahme, die Papst Gregor XIII. mit der Kalenderreform 1582 einführte. Ausgedacht hat sich die Schalttage allerdings ein anderer: Julius Caesar.

In diesem Jahr dauert der Winter einen Tag länger, denn 2004 ist ein Schaltjahr. Nicht nur des milden Wetters wegen kann man sich über den Schalttag am 29. Februar freuen - ohne ihn würde im Kalender ein einziges Chaos herrschen. Immo Appenzeller, Ordinarius für Astronomie an der Universität Heidelberg, erklärt, wem der heutige Kalender zu verdanken ist: "Papst Gregor hat den Kalender in Ordnung gebracht."

Die Erdrotation bestimmt die Tageslänge und der Umlauf der Erde um die Sonne die Anzahl der Jahrestage, wie Appenzeller erklärt, der auch Leiter der Landessternwarte Baden-Württemberg in Heidelberg-Königsstuhl ist. "Die Jahreslänge lässt sich aber nicht mit einer ganzen Zahl ausdrücken, da die Erdrotation unabhängig vom Umlauf der Erde um die Sonne ist", beschreibt Appenzeller die Problematik. Papst Gregor war dabei nicht der erste, der versuchte, das Problem zu lösen, wie Reinhold Bien vom Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg berichtete. Bereits Julius Caesar ließ alle vier Jahre mit einem Tag schalten.

Im Zeitraum von 400 Jahren 97 Schalttage statt 100

Papst Gregor XIII. passte den Kalender dann noch besser an den Verlauf der Sonne an: Da die Länge des Jahres 365 Tage, fünf Stunden und 49 Minuten beträgt, ordnete Gregor an, im Zeitraum von 400 Jahren 97 statt 100 Schalttage einzusetzen. So verbesserte er die Genauigkeit des Kalenders, der seitdem nicht mehr Julianischer, sondern Gregorianischer Kalender heißt.

Der Grund für die Bemühungen des Papstes um den Kalender war ein Konzilsbeschluss aus dem vierten Jahrhundert, wie Bien erklärt. Kaiser Konstantin habe eine Versammlung einberufen, die sich unter anderem damit beschäftigt habe, den Kalender für das gesamte Römische Reich zu vereinheitlichen, so dass alle Christen am selben Tag Ostern feiern könnten. Dieses Konzil von Nicäa habe 325 vermutlich festgelegt, dass der Frühlingsanfang auf den 21. März fallen solle. Da der damals geltende Julianische Kalender aber nur 365,25 Tage hatte, also der Jahresbeginn jedes Jahr um elf Minuten falsch berechnet wurde, habe der Frühlingsanfang im Jahre 1582 am 11. März stattgefunden, sagt Bien.

Um diesen Fehler auszumerzen, ordnete Papst Gregor XIII. an, im Jahre 1582 die zehn zwischen dem 4. und dem 15. Oktober liegenden Tage einfach auszulassen. Darüber hinaus erließ er die Bestimmung, dass ab dem Jahre 1583 alle glatt durch vier teilbaren Jahre Schaltjahre seien. Gleichzeitig ordnete er an, dass alle glatt durch 100 teilbaren Jahre keine Schaltjahre sind. Einzige Ausnahme dieser Ausnahme sollten aber Jahre sein, die sich ohne Rest durch 400 teilen lassen. Daher hatte das Jahr 2000 366 Tage. Ein Jahr mit 366 Tagen gibt also erst im Jahr 2400 wieder.

1752 folgte auf den 2. gleich der 14. September

Allerdings führte der Umstand, dass der Gregorianische Kalender nicht zeitgleich in allen Ländern eingeführt wurde, manchmal zu Verwirrung. So sind sowohl William Shakespeare als auch Miguel de Cervantes am 23. April 1616 gestorben - obwohl der englische den spanischen Literaten um zehn Tage überlebte. Der Grund dafür ist, dass der Gregorianische Kalender in England erst am 14. September 1752 eingeführt wurde - der wegen der Kalenderumstellung unmittelbar auf den 2. September folgte.

In diesem Jahr ruft das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF zum dritten Mal dazu auf, den Schalttag am 29. Februar der Kinderhilfe zu widmen. Nicht nur die Einwohner von UNICEFs diesjähriger Partnerstadt Frankfurt am Main sind zu besonderen Hilfsaktionen aufgerufen. Auf der Homepage der Stadt Frankfurt am Main gibt es ein Gewinnspiel, bei dem jeder für Kinder spenden kann. Und nicht zuletzt werden sich alle diejenigen freuen, die am 29. Februar geboren sind: Sie können endlich wieder an ihrem eigentlichen Geburtstag feiern - was schließlich nur alle vier Jahre möglich ist.

Meike Stein DPA

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