Konklaven Intrigen hinter dicken Mauern


Die Versammlung der Kardinäle zur Wahl des Papstes kann Wochen dauern. Wenig ruhmreich ist die Geschichte der Konklaven: Korruption und Einmischung von außen bestimmten oft die Ernennung eines Pontifex.

Wenn in der zweiten Aprilhälfte 117 Kardinäle zur Wahl eines Nachfolgers für Johannes Paul II. im Vatikan "eingeschlossen" werden, befolgen sie ein mehr als 750 Jahre altes Ritual. Doch die Abschottung der Purpurträger hinter den dicken Mauern der heiligen Stadt hat nicht immer für einen würdigen Rahmen der Papstwahl gesorgt: Korruption und Einmischung von außen bestimmten oft die Ernennung eines Pontifex.

Das erste Konklave (vom lateinischen cum clave = mit Schlüssel) fand 1241 statt. Damals befand sich der Heilige Stuhl praktisch im Kriegszustand mit Kaiser Friedrich II., der zwölf Kardinäle eingesperrt hatte. Wegen seines starken Interesses an der zügigen Wahl eines Papstes ließ der Herrscher von Rom die verbleibenden zehn Kardinäle in einem schmutzigen, baufälligen Palast einsperren. Es funktionierte: In nur 60 Tagen einigten sie sich auf Coelestin IV zum Nachfolger von Gregor IX. Gleichwohl hatte das erste Konklave ambivalente Folgen. Coelestine starb nur 17 Tage später, und der Heilige Stuhl blieb für eineinhalb Jahre verwaist.

Einigungsdruck durch Diät

Sogar drei Jahre dauerte die Sedisvakanz (sedes=Stuhl; vacans=leer) nach dem Tod von Clemens IV im Jahr 1268. Bis zum Herbst 1271 war die katholische Kirche ohne Oberhaupt. Abermals wurden die Kardinäle eingeschlossen, zudem noch auf eine Diät von Wasser und Brot gesetzt. Um den Einigungsdruck noch weiter zu erhöhen, wurde das Dach des Palastes entfernt. Den Elementen ausgesetzt einigten sich die Kardinäle aus Angst vor den ersten herbstlichen Gewitterregen in drei Monaten auf Gregor X.

Der Erfolg der drastischen Maßnahmen führte zur Institutionalisierung des Konklaves. Und Gregor X. selbst sorgte dafür, das bei der Wahl seines Nachfolgers die Stellschrauben noch weiter angezogen wurden: Er verfügte, dass die Essensrationen nach und nach verringert werden sollten. Folglich blieb den Konklave-Teilnehmern nichts anderes übrig, als zügig einen neuen Papst zu präsentieren.

Besonders dramatisch entwickelte sich 1314 ein Konklave im südfranzösischen Carpentras. Ungeduldige Massen steckten den Bischofspalast, in dem die Purpurträger berieten, in Brand, so dass diese die Flucht ergreifen mussten. Ende Juni 1316 schloss Prinz Philipp die Wahlgesellschaft kurzerhand im Dominikanerkloster von Lyon ein. Nach weiteren 40 Tagen wurde dann endlich am 7. August 1316 Johannes XXII. zum neuen Papst bestimmt.

Doch trotz der vorgeblichen Abgeschiedenheit und Ruhe waren viele Konklaven von politischen Intrigen und Korruption durchsetzt. In seinen Memoiren erinnerte sich Pius II. mit Abscheu an das abgekartete Spiel aus dem Jahr 1458, aus dem er als Papst hervorging. Die Strippen seien auf dem Plumpsklo gezogen worden, schrieb er, "dem angemessenen Ort für eine derartige Wahl."

Das Konklave von 1484 war nicht viel christlicher: Der Mann, der als Innozenz VIII. in die Kirchengeschichte einging, sicherte sich seine Wahl durch die Bestechung der Kardinäle in der Nacht vor der Entscheidung. Sein Nachfolger Alexander VI., ein weltlicher und ruchloser Spanier, der mindestens acht Kinder mit mehreren Frauen gezeugt hatte, regelte die Wahl 1492 durch Zuteilung von ertragsreichen Abteien, Festungen, ja ganzen Städten und Bischofssitzen.

Korruption weit verbreitet

Die Einmischung der Politik war ebenso verbreitet wie Korruption. Für Jahrhunderte nahmen sich die katholischen Monarchen Europas das Recht, Kandidaten zu verhindern. Es wurde zur Regel, dass sie Botschafter in die Konklaven schickten. Das letzte Veto ist 102 Jahre alt, es legte Kaiser Franz Josef I. von Österreich-Ungarn ein. Pius X. nutzte seine folgende Amtszeit unter anderem dafür, das königliche Recht auf "exclusio" abzuschaffen.

Die letzte Reform des Rituals stammt von Johannes Paul selbst. Er legte in seiner 1996 verabschiedeten Konstitution "Universi Dominici Gregis" unter anderem fest, dass, sollten sich die Purpurträger nicht in 30 Wahlgängen mit Zweidrittelmehrheit auf einen Kandidaten einigen, eine einfache Mehrheit reicht. Auch veranlasste der verstorbene Papst die Renovierung des Domus Sanctae Marthae, einer Art Vatikan-Hotel mit 108 Suiten und mehreren Einzelzimmern. Zwar haben es die Kardinäle dort gemütlicher als zu früheren Zeiten, allerdings gibt es auch dort kein Fernsehen, keine Zeitungen und kein Telefon. Die Fenster sind geschlossen und die Vorhänge zugezogen.

Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel verbrannt. So lange keine erforderliche Mehrheit zu Stande kommt, wird Pech beigemischt, so dass schwarzer Rauch über dem Petersdom aufsteigt. Erst weißer Rauch ist das sichere Signal für die Einigung: Ein Kardinal erscheint in einem Fenster des Petersdoms und erklärt: "Habemus papam" - Wir haben einen Papst!

Brian Murphy/AP AP

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