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Schlacht von Austerlitz: Der Todesstoß für das Reich

Vor 200 Jahren besiegte die Armee Napoleons die alliierten Armeen Österreichs und Russlands. Der Sieg bedeutete das Ende des Römischen Reiches Deutscher Nation und wird in Frankreich noch heute gefeiert.

Napoleon gab sich verwundbar. Wochenlang hatte er seinen Gegnern den Zauderer, den Weichenden vorgespielt und am 1. Dezember seinen Truppen sogar den scheinbaren Rückzug befohlen. Doch einen Tag später, am ersten Jahrestag seiner Kaiserkrönung, feierte der General den wohl größten Sieg seines Lebens: Bei Austerlitz in Böhmen schlugen seine Soldaten am 2. Dezember 1805 die überlegenen Armeen Österreichs und Russlands - und versetzten so dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation den Todesstoß. 200 Jahre später erinnert Frankreich an diesen Sieg am Freitag mit einem großen Militärzeremoniell.

Dabei war das Jahr 1805 für den zuvor von Sieg zu Sieg geeilten Kaiser voller Probleme gewesen. Im Frühjahr hatten sich Österreich, England und Russland zur Dritten Koalition zusammengeschlossen, um Napoleon und mit ihm die Reste der Revolution von 1789 hinweg zu fegen. Zur See gelang das auch. Mit dem Sieg von Trafalgar am 21. Oktober beendete der englische Admiral Horatio Nelson Napoleons Pläne, die britische Seeherrschaft zu durchbrechen, und seinen Traum von einer starken Flotte. Auch in Paris war Napoleons Macht erschüttert. Der General brauchte Siege.

Miserable Abstimmung der Gegner Napoleons

Napoleons einzige Chance war es, die Verbündeten einzeln zu schlagen. Neben seinem taktischen Geschick half ihm die miserable Abstimmung der Alliierten. So sah sich der österreichische General Karl Mack bei Ulm ohne Unterstützung den Franzosen gegenüber, weil Russen und Österreicher versäumt hatten, ihre Kalender abzugleichen. Mack kapitulierte, und Napoleon hatte freien Weg nach Wien.

Kaiser Franz II. bot Napoleon seine älteste Tochter zur Frau, doch der lehnte ab. Am 13. November eroberten die Franzosen Wien. Aber die Armeen der Russen und Österreicher waren immer noch eine Bedrohung. Schwäche vortäuschend, lockte Napoleon die Alliierten auf ein günstiges Schlachtfeld: Austerlitz bei Brünn.

Mehr als 17.000 Tote

Fast 86.000 Russen und Österreicher standen 73.000 Franzosen gegenüber, die zudem nur etwa halb so viele Kanonen wie die Koalition hatten. Doch die Franzosen hielten den anstürmenden Verbündeten Stand. Schließlich ließ Napoleon gegen den Feldherrenhügel des russischen Befehlshabers Michail Kutusow vorrücken. Als der Kommandostand fiel, war die Schlacht entschieden: Österreicher und Russen flüchteten. Viele wagten sich auf das Eis kleiner Seen, die Napoleon beschießen ließ. Tausende brachen ein, konnten sich zwar aus dem flachen Wasser meist retten, erfroren dann aber in der bitterkalten Dezembernacht. 16.000 Tote ließen die Alliierten zurück, die Franzosen knapp 1300.

Noch schwerer wogen die politischen Folgen. Die Koalition war gesprengt, Napoleons Stellung unangefochten. Österreich verlor wichtige Gebiete, Bayern und Württemberg wurden zu Königreichen von Napoleons Gnaden erhoben. Am 6. August 1806 legte Franz schließlich die deutsche Kaiserwürde ab: Nach fast 900 Jahren hörte das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf zu existieren. Preußen wagte noch einmal den Aufstand, wurde jedoch in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Oktober 1806 gedemütigt.

Eine Schlacht mit großem Nachklang

Die Schlacht von Austerlitz fand Nachklang in unzähligen Romanen wie etwa Tolstois "Krieg und Frieden". Einer der Pariser Kopfbahnhöfe ist der Gare d'Austerlitz, und an der Militärakademie École Spéciale Militaire de Saint-Cyr ordnen die Studenten jedem der zehn Ausbildungsmonate einen Buchstaben von "Austerlitz" zu, beginnend mit "A" im Oktober. An jedem "2.S." wird gefeiert.

Chris Melzer/DPA / DPA