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Umstrittener Pegida-Sympathisant: Akif Pirinçci - die Axt des Hasses

Berühmt geworden ist Akif Pirinçci mit Katzen-Krimis. Dann folgten wilde Rasereien gegen Frauen, Schwule und Muslime. Mittlerweile bedauert er, dass es keine KZ mehr gibt - wie nun bei Pegida in Dresden.

Von Stefan Schmitz

Akif Pirinçci

Pirinçci kam als Kind mit seinen Eltern aus der Türkei nach Deutschland

Es ist Nacht in Deutschland. Ein nicht mehr ganz junger Autor hackt in seine Tastatur. "Korankraftwerk" schreibt er, wenn er Moschee meint. Schwänze, Muschis, scheißen, ficken, ficken. Obwohl: "Frau sein heißt in erster Linie, Leben schaffen." Er haut es einfach raus. Die Politiker? Berufsparasiten. Der ganze Staat ein einziges Raubtier. Steuerhinterziehung eine Heldentat. Der Kirchentag? Ein "Schlafsack-Fick-Event". Jesus als Pausenclown. Es ist, als habe Thilo Sarrazin ganz schlimme Drogen eingeworfen: "Deutschland von Sinnen" hieß das Ergebnis, der letzte Überraschungserfolg von Akif Pirinçci. Als Wutbeschleuniger vertraut er auf Rotwein.

Pirinçci provoziert seit geraumer Zeit mit rechten Parolen. So auch beim ersten Jahrestag von Pegida in Dresden, wo er unter anderem sagte, dass "KZ derzeit leider außer Betrieb" seien. Veranstalter Lutz Bachmann hat die Veranstaltung als Video auf seiner Youtube-Seite gepostet. Sehen Sie den Auftritt von Akif Pirinçci ab 1:34 


"Ich setze mich einfach hin und mache mir eine Flasche auf - und dann schreibe ich drauflos", sagt er in freundlichem Plauderton. Pirinçci ist ein schmächtiger, eher zurückhaltend wirkender Mann. Er kommt ganz anders daher als der Derwisch, den man hinter seinem Text vermutet.

Mit 40 nicht der meistgelesene Autor Europas

Vor einem Vierteljahrhundert begann der in Bonn lebende Sohn türkischer Gastarbeiter den Roman "Felidae" mit einer Warnung: Was jetzt erzählt werde, sei keine angenehme Geschichte. So war es auch. In dem Katzen-Krimi fließt reichlich Blut. Millionen Bücher mit samtpfotigen Helden hat er seitdem verkauft, sie sind verfilmt und übersetzt und international erfolgreich. Nur hat es eben doch nicht gereicht, um mit 40 Europas meistgelesener Autor zu werden, wie ihm in jungen Jahren vorschwebte. Er hätte es gut sein lassen können, doch dann entdeckte er eher durch Zufall, dass auch böse Geschichten aus dem Menschenmilieu ein Publikum finden. Und so betreibt er die Fortsetzung des Katzen-Geschäfts mit anderen Mitteln.


Mit "Skalpell, Machete und Hackebeilchen" (O-Ton Pirinçci) ätzt er gegen Schwule, Frauen, Muslime und Grüne. Außerdem gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ("Mit dem Arschloch sieht man besser") sowie das Finanzamt, den Umweltschutz und die Justiz. Kurz: gegen alles, was angeblich seine geliebte "Mutter Deutschland" zugrunde richtet, die ihn als türkischstämmigen Jungen adoptiert hat.

"Mein Kampf" - Beleidigung oder Vorbild?

Als die "Zeit" sein Buch mit Hitlers "Mein Kampf" verglich, malte Pirinçci sich aus, was der Autor dabei wohl gedacht hat. Der Rezensent habe, so spekulierte er, nach der ultimativen Beleidigung gesucht. Vielleicht habe er erst erwogen, ihn als KZ-Kommandanten hinzustellen, als SS-Typen. Dann sei er darauf gekommen: "Mein Kampf". Pirinçci erzählt das so wie ein Bäcker beim Verzehr eines Törtchens darüber nachsinnt, wie der andere Bäcker wohl diese Konsistenz hinbekommen hat.

"Reichen nicht auch ein paar Bananen?"

Er selbst backt seine Ware immer mit den schärfsten Zutaten. Warum zum Beispiel zieht es den Asylanten in die deutsche Stadt? "Auf dem Land gibt es nicht so viele Weiber, schon gar nicht so viele rasierte." Irgendwann verfällt er auf die Geschichte eines Gorillaweibchens, das angeblich 2000 Wörter beherrscht - der Aufwand, unseren ausländischen Mitbürgern einen solchen Wortschatz in Deutsch beizubringen, würde dagegen, so meint er, das Staatsbudget sprengen. Pirinçci findet das aber offenbar nicht besonders dringend: "Wenn man bedenkt, dass offenkundig auch ein paar Bananen reichen."
Einen deutschen Richter, der ihn wegen Beleidigung verurteilte, rückt er in die Nähe des Nazi-Blutjuristen Roland Freisler. Schwule können es von ihm aus "mit Eseln treiben (aber bitte im Stall)". Frauen wird neben manchem anderen unterstellt, ihr einziges Kapital sei "natürlicherweise ihre Jugend".

Fan des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

Politiker werden pauschal und persönlich beleidigt. Den Islam hält er für eine übersexualisierte Unterdrückerideologie - und den muslimischen Völkern, in denen Frauen zwangsverheiratet werden, bescheinigt er eine genetische Degeneration mit schweren Folgen für die Intelligenz. Wenn er zwei Flaschen Rotwein drin hat, so schreibt er, sympathisiere er mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.
Überhaupt: Wenn es so weitergehe, werde Deutschland bis 2030 komplett von begriffstutzigen Muslimen übernommen, während die früh sterbenden Deutschen auf Müllkippen mit Benzin übergossen und verbrannt würden. Der "schleichende Genozid" an einer bestimmten Gruppe junger Männer, verübt von muslimischen Altersgenossen, habe bereits begonnen.
Was zum Teufel, Herr Pirinçci, wollen Sie damit bewirken?
Das ist meine Meinung. Das Buch ist der Hit des Jahres.
Also geht es um Geld.
Ich lebe nicht vom Putzen. Das ist mein Beruf. Natürlich geht es um Geld. So etwas können auch nur deutsche Gutmenschen fragen.

Nur Totschweigen wäre fatal

Hinten auf dem Einband des Buches steht: "Mit Verlaub, es ist mir völlig egal, ob man mich einen Nazi schimpft oder eine Klobürste." Nur Totschweigen wäre fatal. Aber das muss er nicht mehr fürchten, der Mann ist bester Laune. Mit 54 Jahren erfindet er sich gerade neu.
Angefangen hat es im Internet. Bei Facebook hat er früher wie alle Autoren auf seine Lesungen und Bücher hingewiesen.
"Dann habe ich angefangen, über mich selbst zu schreiben. Über Frauen. Über Politik. Das kam unglaublich gut an." Pirinçci spürte, dass da mehr drin war. Bald stieß er auf die Internetseite "Achse des Guten", ein Forum für ältere Herren mit festen Ansichten. "Irgendwann kam der Verleger von Manuscriptum zu mir und hat gefragt, ob ich ein Buch schreiben wolle." Er wollte.

"Im Dickicht männlicher Weltbewältigung"

Manuscriptum gehört zum Reich von Thomas Hoof. Der war mal Landesgeschäftsführer bei den Grünen - einer Partei, die Pirinçci mit solchem Furor verfolgt, dass schon die bloße Wiedergabe seiner Attacken juristische Fragen aufwirft. Aber das ist sehr lange her. Hoof hat als Gründer des inzwischen verkauften Edelversenders Manufactum ein Faible für Dinge aus vergangenen Zeiten bewiesen. Überkommenen Geschlechterverhältnissen steht er ähnlich aufgeschlossen gegenüber wie sein Autor. Je mehr Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung die Frauen hätten, schreibt Hoof etwa, desto "konsequenter meiden sie das Dickicht männlicher Weltbewältigung". Zumindest, wenn gerade keine "Quotensänfte" bereitstehe.
Auch wenn es um Zuwanderer oder Schwule geht, ist Hoof ganz auf der Linie seines Von-Sinnen-Autors.

Alles größer als im richtigen Leben

Der ist der Star unter den politisch inkorrekten Schreibern des Hauses. Denn er macht es, wie man Romane schreibt: Alles muss größer sein als im richtigen Leben. Mehr Sex. Mehr Blut. Mehr Gefahr. Was die Erzählung stört, fliegt raus. Nur sind es diesmal keine Katzen, die draufgehen, sondern die Wahrhaftigkeit, der Respekt vor anderen Lebensformen und die Toleranz, die ihm ohnehin ein Graus ist. Er hat sein Zeug so gebacken, dass es viele probieren wollen. Er versteht sein Handwerk.

Liebe Leser, dieses Porträt ist im April 2014 im stern erschienen und wurde für die Wiederveröffentlichung leicht gekürzt.