Stauffenberg-Ausstellung "Cruise soll besser Nero spielen"


Während in Berlin Tom Cruise einen Film über Graf von Stauffenberg dreht, wurde in Sigmaringen eine Ausstellung zu dem Hitler-Attentat eröffnet. Dort hat der Macher eine eindeutige Meinung darüber, was er vom Scientologen Cruise als Nazi-Widerständler hält.

Im Ausland ist man über die Diskussion gelinde gesagt irritiert: Da kommt ein Weltstar in die angebliche Weltstadt Berlin, dreht einen Film über einen Nazi-Widerständler und muss sich dafür fürchterlich ausbuhen lassen. Worum geht's? Natürlich um Tom Cruise und seine Rolle als Hitler-Attentäter Graf von Stauffenberg im Hollywood-Streifen "Valkyrie". Drehort, wie gesagt, Berlin, nur am Originalschauplatz Bendlerblock darf nicht gedreht werden. Das hat das zuständige Ministerium verboten. Weil: Wie kann ein glühender Scientologe und Symbolfigur einer mutmaßlichen totalitären Sekte ausgerechnet einen Widerständler wie Stauffenberg spielen?

Noch bevor die Dreharbeiten überhaupt beendet sind, die übrigens mit Hilfe von anständigen deutschen Steuermillionen finanziert werden, ist sich die Speerspitze der Kritik bereits sicher, dass aus dem Hollywood-Schinken ohnehin nur reiner Geschichtskitsch werden wird - Erkenntnisgewinn gleich null. So ähnlich sieht es auch Thomas Krause, Oberstleutnant a.D. und Kurator der Ausstellung "100 Jahre Stauffenberg", die jetzt im württembergischen Sigmaringen eröffnet wurde.

"Der Film ist mit Cruise völlig fehlbesetzt", er spiele wohl besser Nero, sagt Krause kühn. Was aber natürlich nur seine persönliche Meinung sei. Also: Darf ein bekennender Scientologe hohen Ranges in die Rolle eines Menschen schlüpfen, der sich für Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingesetzt hat? Nein, so Krause, als Staatsbürger in Uniform sei Cruise - unbeschadet seiner darstellerischen Fähigkeiten - ungeeignet. Überhaupt hätten die Produzenten bei der Besetzung nicht an die politischen Befindlichkeiten hierzulande gedacht.

Der Historiker Peter Steinbach sieht in dem Film sogar einen "Teil einer geschickten PR-Kampagne für Scientology". Selten habe es eine solch ausufernde Propaganda vor einem Drehbeginn gegeben, sagte Steinbach. Scientology sei es durch diese Debatte gelungen, den Eindruck der eigenen Harmlosigkeit zu erwecken. Der Historiker sprach dem Film jegliche Intention ab, sich einem so ernsthaften Thema wie dem Widerstand im Dritten Reich auf seriöse Weise zu nähern.

Denken und Handeln Stauffenbergs, so Kurator Krause im Grußwort zur Ausstellung, sei von einer Bindung an sittliche Werte bestimmt gewesen, die ihn zu der Erkenntnis gebracht hätten, dass es unter bestimmten Bedingungen geboten sei, dass es keine Loyalität und Gehorsam einem verbrecherischen Regime gegenüber geben könne.

Ein Enkel des Widerstandskämpfers dagegen ficht der Zwist nicht so sehr an. Zumindest spielt Philipp von Schulthess an der Seite von Tom Cruise mit die Rolle des Adjutanten des Mitverschwörers Henning von Tresckow, wiederum gespielt von Kenneth Branagh.

lix, nik mit DPA

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