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Analyse

Umfragen zur Wahl 2017: Hohenflüge und Abstürze: Darum ging es für die Parteien seit 2013 auf und ab

In dieser Woche gibt es die letzten Umfragen vor der Wahl 2017. Für die Parteien sind es wichtige Stimmungsbilder vor dem Showdown am Sonntag. Der stern hat sich die teils beachtlichen Berg- und Talfahrten der Parteien seit 2013 einmal genauer angeschaut.

Umfrage BUndestagswahl 2017

Selbst für Angela Merkel war der Blick auf die Umfragen nicht immer zufriedenstellend

Die SPD und Martin Schulz hätten den Termin für die Bundestagswahl 2017 wohl lieber im Februar dieses Jahres gesehen, die Grünen dagegen in der Zeit nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 2016. In beiden Fällen durften sich die Parteien über absolute Hochs in den Umfragen freuen.

Generell gilt: Für CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und AfD ging es seit der letzten Bundestagswahl 2013 streckenweise hoch hinaus, aber häufig ebenso steil wieder runter. Die Linke blieb dagegen in den vergangenen vier Jahren recht konstant. Für einige Parteien kommen die Wahlen zum günstigsten, für andere zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Zumindest, wenn man den Blick auf die Umfragen richtet - wie verlässlich diese Momentaufnahmen am Ende sind, wird eh erst der Wahlsonntag zeigen.

Der stern hat sich die Berg- und Talfahrten der größten Parteien einmal näher angeschaut.

So ging es für die Parteien rauf und runter

CDU/CSU


Spitzenkandidaten: Angela Merkel (CDU), Joachim Herrmann (CSU)

Das sorgte für Aufwind: Angela Merkel - Die Kanzlerin ist die Konstanz in Person. Ein Großteil der wahlberechtigten Deutschen würde sie den Umfragen nach direkt wieder ins Amt wählen, dass sie bereits seit 2005 inne hat. Auch international genießt sie hohe Anerkennung, wurde gar vom Time-Magazin zur "Kanzlerin der freien Welt" erkoren. Viele Deutsche trauen niemandem sonst zu, sich auf internationalem Parkett gegen Trump, Putin, Erdogan und Co. zu behaupten. In der Zeit nach der Wahl 2013 hielt Merkels Beliebtheit ihre Partei in den Umfragen zunächst deutlich über der 40-Prozent-Marke.

Das sorgte für Sinkflüge: Angela Merkel - Seit dem Sommer 2015 büßten die Unionsparteien in den Umfragen ein, schafften es seither nicht mehr über die 40-Prozent-Marke. Merkels Haltung zur Flüchtlingsfrage hat innerhalb der CDU für Streit gesorgt und zudem das Verhältnis zur bayerischen Schwester CSU belastet. Die sinkenden Umfragewerte zeigten zudem das Problem auf, dass die Umfragewerte der Unionsparteien an die Beliebtheit der Kanzlerin gekoppelt zu sein scheinen - die Partei ist Merkel und Merkel ist die Partei, so scheinen es viele Deutsche wahrzunehmen.


SPD


Spitzenkandidat: Martin Schulz

Das sorgte für Aufwind: Der Schulz-Effekt. Als Martin Schulz Ende Januar endgültig von Brüssel nach Berlin wechselte und als Kanzlerkandidat der SPD nominiert wurde, katapultierte das die Genossen in ungeahnte Höhen. In den Umfragen erreichte die Partei einen Spitzenwert von 32 Prozent. Damit waren die Sozialdemokraten erstmals seit langer Zeit wieder (fast) auf Augenhöhe mit der CDU, die zwischenzeitlich nur einen Prozentpunkt mehr hatte. 50 Prozent der Wahlberechtigten gaben im Februar zudem an, dass sie Schulz direkt zum Kanzler wählen würden. Auch das war angesichts der Beliebtheit der Kanzlerin mehr als bemerkenswert.

Das sorgte für Sinkflüge: Im Mai 2016 rutschte die SPD auf 19 Prozent, nachdem es Gerüchte um einen Rücktritt von Sigmar Gabriel gegeben hatte - der schlechteste Wert in dieser Legislaturperiode. Forsa-Chef Manfred Güllner kam zu der Einschätzung, dass sich die Mitte der Gesellschaft nicht mehr ausreichend von der SPD vertreten fühle. Daran würden auch Themen wie Mindestlohn und frühere Rente nichts ändern. Vor und nach dem Tief dümpelten die Genossen im Bereich zwischen 20 und 25 Prozent herum. Dort pendelten sich die Werte auch in diesem Jahr wieder ein, nachdem der am Ende doch recht kurze Schulz-Effekt verpufft war. Insgesamt bleibt der Eindruck einer Partei, die sich aufgerieben hat: Die SPD war seit 1998 fast durchgehend an der Regierung beteiligt, lediglich von 2009 bis 2013 saß sie in der Opposition. Ab 2005 war sie - wenn an der Macht - zudem immer der Juniorpartner in einer großen Koalition.


Die Linke


Spitzenkandidaten: Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch

Das sorgte für Aufwind und Sinkflüge: Die Linke ist hinsichtlich der Umfragen eigentlich seit der Wahl 2013 die konstanteste Partei im Bundestag, bewegt sich durchgehend im Bereich um die zehn Prozent-Marke. Das beste Umfrageergebnis waren elf, das schlechteste sieben Prozent. Echte Höhen- oder Sinkflüge gab es eher nicht. Laut Bundeszentrale für politische Bildung wird der Partei die größte Kompetenz im Bereich soziale Gerechtigkeit zugeschrieben. Im Osten werde sie eher aus Überzeugung, im Westen aus Protest gewählt. Damit ist die Linke auf einem guten Weg, erneut dritte Kraft und - je nach Koalitionsmodell - stärkste Oppositionspartei im Parlament zu werden.

Bündnis 90 / Die Grünen


Spitzenkandidaten: Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir

Das sorgte für Aufwind: Winfried Kretschmann, seines Zeichens erster grüner Ministerpräsident, holte sagenhafte 30,3 Prozent bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg 2016. Er konnte nicht nur sein Amt behalten, seine Partei wurde auch stärkste Kraft im Landtag - und ging als Seniorpartner in eine Koalition mit der CDU. Der Erfolg des Realos spiegelte sich auch im Bund wieder: Die Grünen katapultierten sich zwischendurch auf 14 Prozent und manch einer sah sie bereits auf dem Weg zur Volkspartei, die es verstand ökologische mit ökonomischen Lösungen zu verknüpfen.

Das sorgte für Sinkflüge: Im April 2017 landeten die Grünen bei sechs Prozent - der schlechteste Umfragewert seit 15 Jahren. Kritiker werfen der Partei vor, Personal und Inhalte vor der Wahl 2017 falsch gewählt zu haben. Der beliebteste grüne Politiker Winfried Kretschmann ist als wirtschaftsnaher Realo bei den Parteilinken im Bund umstritten. Die Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Özedmir gelten zwar ebenfalls als Realpolitiker, konnten sich aber bislang in diesem Wahlkampf nicht recht profilieren. Dass ökologische Themen längst nicht mehr für Aufregung sorgen, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind, macht es dem Duo nicht einfacher, Akzente zu setzen. Zumal bei bestimmenden Themen im Wahlkampf - wie etwa Integration - eher andere Parteien von sich Reden machen.


FDP


Spitzenkandidat: Christian Lindner

Das sorgte für Aufwind: Landtagswahlen: Bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen 2015 befreite Katja Suding die FDP mit einem guten Ergebnis aus der Katerstimmung, die nach der Wahl 2013 bei den Liberalen vorherrschte. Erstmals spürte die Partei, nachdem sie knapp eineinhalb Jahre zuvor krachend aus dem Bundestag geflogen war, wieder so etwas wie echten Aufwind. Auch nach den recht erfolgreichen Wahlen 2016 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz kletterten die Werte im Bund. Im Mai 2017 ging es nach den Urnengängen in NRW und Schleswig-Holstein - in beiden erzielte die FDP zweistellige Ergebnisse - noch ein Stück weiter nach oben. Seit Ende 2015 waren die Liberalen nicht mehr unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Das sorgte für Sinkflüge: Ein Grund, warum die FDP nach der historischen Wahlschlappe 2013 nicht wieder so recht nach oben kam und streckenweise gar bei zwei Prozent lag, dürfte die AfD sein. Die Rechtspopulisten verkauften sich vor allem in ihrer Anfangszeit noch als Hoffnung für enttäuschte Liberale - und punkteten damit. Bereits bei der der Bundestagswahl 2013 und später bei der Europawahl im Mai 2014 verlor die FDP Zigtausende ihrer Euro-kritischen Wähler an die neue Konkurrenz von rechts.


AfD


Spitzenkandidaten: Alice Weidel, Alexander Gauland

Das sorgte für Aufwind: Bereits ein Jahr nach ihrer Gründung konnte die junge AfD bei den Europawahlen 2014 punkten. Das wirkte sich auch auf die Werte im Bund aus. Damals schafften es die EU-Skeptiker, enttäuschte Euro-kritische Liberale zu sich zu ziehen. Ab dem Sommer 2015 entdeckte die Partei dann die Xenophobie für sich und driftete immer weiter nach rechts. Das Spiel mit der Angst der Bürger brachte nach den Terroranschlägen im Herbst 2015 in Paris und den sexuellen Übergriffen zu Silvester in Köln ebenso Umfragepunkte, wie die Wahrnehmung als politischer Arm der Pegida-Demonstrationen - auch wenn die Partei sich offiziell von der Bewegung distanzierte.

Das sorgte für Sinkflüge: Die AfD zerlegt sich eigentlich schon seit ihrer Gründung selbst, irgendwo gärt es bei den Rechtspopulisten immer. 2015 erwischte es den Parteigründer und Vorsitzende Bernd Lucke, der von Frauke Petry weggebissen wurde. Lucke trat daraufhin entnervt aus der Partei aus, auch weil er für die neue rechtsextreme Haltung der Partei wohl nicht als bürgerliches Gesicht herhalten wollte. Petry verlor wiederum auf dem Bundesparteitag 2017 selbst einen großen Teil des Rückhalts in der Partei. Und das sind nur die Scharmützel auf der obersten Ebene.

Hinweis: Als Datum ist der Erscheinungstag des Heftes angegeben, in dem die Umfrage veröffentlicht worden ist.

 

Interaktive Grafik: Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?


Untenstehend finden sie sämtliche Forsa-Umfrage-Ergebnisse seit der Wahl 2013 zusammengefasst in einer Grafik. Sie können selbst festlegen, welche Parteien und welchen Zeitraum sie betrachten möchten.

 

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