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Salomonen-Inseln Zwei Männer sind 29 Tage auf hoher See verschollen – für sie war es eine "schöne Abwechslung"

Ein kleines Motorboot liegt am Strand einer Salomonen-Insel
Bei rauem Wetter verloren die beiden Männer von den Salomonen-Inseln die Orientierung (Symbolbild)
© Michael Runkel / Picture Alliance
Zwei Männer verloren bei rauer See im Südpazifik die Orientierung und trieben fast einen Monat lang auf dem Meer. Nach ihrer Rettung blicken sie positiv gestimmt auf ihr Erlebnis zurück.

Eigentlich hatten sie nur die ihnen bekannte Bootsreise nach Papua-Neuguinea antreten wollen: Zwei Männer von der Salomonen-Insel Mono stiegen Anfang September auf ihr 60 PS starkes Motorboot, um zur 200 Kilometer entfernten Stadt Noro im Nachbarland Papua Neuguinea zu fahren. "Wir haben diese Reise schon einmal gemacht, und es hätte eigentlich kein Problem sein müssen", sagte Livae Nanjikana, einer der Bootsinsassen nach ihrer Rettung. 

Erst ein Unwetter, dann kein GPS mehr

Trotzdem kamen die beiden Männer niemals an ihrem Ziel an: Nur wenige Stunden nach Reisebeginn wurden sie von heftigen Regenfällen und starken Winden überrascht, die Küstenlinien der nahegelegenen Inseln Vella Lavella und Gizo, die sie als Orientierungshilfen zur Navigation hatten nutzen wollen, konnten sie nicht mehr erkennen. Doch es kam noch schlimmer: "Als das schlechte Wetter kam, war es schon schlimm, aber es wurde noch schlimmer und beängstigender, als das GPS ausfiel", erinnert sich Nanjikana. "Wir konnten nicht sehen, wohin wir fuhren, und so beschlossen wir einfach, den Motor abzustellen und zu warten, um Treibstoff zu sparen."

So trieben die beiden Männer orientierungslos auf der rauen Salomonensee – für ganze 29 Tage. Dabei ernährten sie sich von Orangen, die sie für die Überfahrt als Proviant eingepackt hatten, Kokosnüssen, die im Meer trieben und tranken Regenwasser, welches sie mit der Hilfe eines Stück Segeltuchs auffingen. Nach fast einem Monat kam dann die Rettung: Die beiden entdeckten einen Fischer vor der Küste von New Britain, Papua-Neuguinea – rund 400 Kilometer von ihrem Startpunkt entfernt. Die Tatsache, dass sie es doch zum Nachbarland geschafft hatten – wenn auch nicht zum gewünschten Ort – überraschte die Verschollenen sehr: "Wir wussten nicht, wo wir waren, aber wir hatten nicht erwartet, in einem anderen Land zu sein."

Positives Abenteuerfazit

Nach einem knappen Monat auf See waren die beiden Männer derart geschwächt, dass sie von Bord getragen werden mussten. Nach Untersuchungen im örtlichen Krankenhaus werden nun alle notwendigen Vorkehrungen für ihre Heimreise getroffen. 

Livae Nanjikana zog nach seiner turbulenten Reise jedoch ein überraschend positives Fazit und zeigte sich regelrecht erfreut über die erzwungenen Ruhepause von den Geschehnissen der Welt:"Ich hatte keine Ahnung, was vor sich ging, während ich dort draußen war. Ich habe weder von Covid noch von anderen Dingen gehört", sagte er. "Ich freue mich darauf, wieder nach Hause zu gehen, aber ich denke, es war eine schöne Abwechslung von allem."

Salomonen-Inseln: Zwei Männer sind 29 Tage auf hoher See verschollen – für sie war es eine "schöne Abwechslung"

Gefährliche Salomonen-See

Livae Nanjikana und Junior Qoloni sind nicht die Einzigen, die unter der rauen Salomonen-See zu leiden hatten. Tödlich ging eine Bootsreise im Juli für den Gesundheitsminister von Bougainville, seine Frau, ihren Sohn sowie vier weiteren Personen auf rauer See aus. Das Boot verschwand, nur eine Person konnte gefunden werden. Nur wenige Wochen zuvor war ein anderes Boot mit 13 Passagieren an Bord vor der Küste Bougainvilles verschwunden. 36 Stunden später tauchte es 50 km nördlich seines Ziels wieder auf. Aufgrund solcher Vorkommnisse heißt es, die Regierung würde ein Bootsfahrverbot bei rauer See und schlechtem Wetter in Erwägung ziehen.

Quelle: "Guardian"

as

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