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Fat-Shaming: CO2-Ausstoß – müssen übergewichtige Fluggäste in Zukunft eine Abgabe zahlen?

Nur wenn das Startgewicht eines Flugzeugs exakt ermittelt wird, kann der Treibstoff optimal abgemessen werden. Das würde den CO2-Ausstoß senken, doch dafür müsste man Passagiere wiegen. Airlines fürchten den Zorn der Übergewichtigen.

Wiegen für das Klima? Oder "Fat Shaming? Die Maßnahme birgt Zündstoff.

Wiegen für das Klima? Oder "Fat Shaming? Die Maßnahme birgt Zündstoff.

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Heute müssen Passagiere beim Fliegen für alles extra bezahlen. Vom Gepäck angefangen bis hin zum reservierten Platz – selbst ein Pinkel-Obolus wurde erwogen. Nur das eigene Gewicht ist ein Tabuthema. Dabei gibt es hier die größten Ungerechtigkeiten. Manche Passagiere bringen kaum 50 Kilogramm an Bord, während andere mit 130 Kilogramm die Gangway hinaufstapfen.

Dabei war das Abwiegen der Passagiere früher ganz normal. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Passagiere in Amerika und Europa vor dem Start gewogen und Zusatz-Pfunde kosteten Aufschlag. Das lag hauptsächlich an der begrenzten Nutzlast der Maschinen.

Bei einer Boeing 247 durfte der Steward an Bord nur 61 Kilogramm wiegen und alle Passagiere wurden durchgewogen. Denn die Maschine durfte nur 7600 Kilogramm transportieren – inklusive des Treibstoffs.

Grozügige Schätzung

Mit größeren Maschinen, mehr Nutzlast und mehr Passagieren an Bord ging man in der Nachkriegszeit dazu über, das Gewicht der Passagiere zu schätzen. Diese Methode hat allerdings den Nachteil, dass die Menge des Treibstoffs immer an der oberen Schätzungsgrenze ansetzen muss, um sicherzugehen, dass die Maschine auch dann am Ziel ankommt, wenn einmal eine Gruppe besonders beleibter Passagiere an Bord gekommen ist. Mehr Treibstoff bedeutet aber auch mehr Gewicht und damit einen höheren Verbrauch und unnötige CO2-Emissionen.

Also überlegt man heute, ob man doch nicht wieder vor dem Boarding wiegen sollte, um so ein optimales Startgewicht zu erreichen. Exotische Fluglinien wie Samoa Air und Uzbekistan Airways machen das bereits. Es ist aber ein sensibles Thema. Die Samoaner haben die höchste Fettleibigkeitsrate auf der ganzen Welt, sie witterten sofort Flug-Rassismus hinter dem Programm. In Europa machte die britische Firma Fuel Matrix in diesem Jahr einen ähnlichen Vorstoß. Sie behauptet, mit mehrere Flughäfen Gespräche darüber zu führen, wie man die Passagiere diskret wiegen könne. Aber so verlockend eine zusätzliche Gebühr auch wäre, so sehr fürchten die Fluggesellschaften doch den Zorn der Übergewichtigen. Ryanair brachte diese Idee schon vor Jahren in Gespräch, aber selbst die ruppige Billig-Linie schreckte vor der Umsetzung zurück.

kra

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