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"Ist hier noch was frei?" Darum prüft die Deutsche Bahn das Comeback von Abteilplätzen

Deutsche Bahn: Abteil eines Eurocity-Waggons
Ganz so museal anmutend wie dieses Abteil in einem Eurocity 2006 dürften die von der Deutschen Bahn erwogenen "abteilähnlichen Räume" nicht daherkommen
© Dirk Enters / Imagebroker / Picture Alliance
Kehrtwende bei der Deutschen Bahn: Nach Jahrzehnten der Reduzierung von Abteilplätzen in den Fernzügen erwägt der Konzern, diese in Zukunft wieder häufiger anzubieten. Das steckt dahinter.

"Raucher oder Nichtraucher? Abteil oder Großraum?" Während erstere Frage beim Fahrkartenkauf wohl keine Rolle mehr spielen wird, könnte letztere in Zukunft eine Renaissance erleben.

Die Deutsche Bahn denkt darüber nach, künftig mehr Züge zu beschaffen, die neben den offenen Sitzreihen in Großraumbereichen auch über Abteile verfügen – wie es noch Anfang des Jahrtausends üblich war.

Deutsche Bahn erklärt Umdenken

"Unsere Kunden wünschen sich mehr Rückzugsmöglichkeiten und dafür wieder mehr abteilähnliche Räume", sagte der für den Personenverkehrt zuständige Bahn-Vorstand Berthold Huber der Nachrichtenagentur DPA. Das Unternehmen denkt darüber nach, die Waggons wieder stärker zu untergliedern. Allerdings befinden sich die Überlegungen Huber zufolge noch im Anfangsstadium, erste Konzepte soll es im Herbst geben.

Zunächst sollen bis 2023 noch mehr als 40 Züge der vierten ICE-Generation an die Deutsche Bahn ausgeliefert werden. Sie kommen, wie auch die Vorgängermodelle ICE 2 und ICE 3 nahezu ohne Abteile aus. Lediglich in den ICE-Zügen der ersten Baureihe, die seit 1991 in Deutschland unterwegs sind, und in einigen Inter- und Eurocitys stehen noch Abteilplätze in größerer Zahl für die Reisenden zur Verfügung. Auch in den bestellten Einheiten des neuen ECx (Einsatz ab 2023 geplant) sollen fast ausschließlich über Sitzplätze im Großraum angeboten werden.

Mit der weiteren Flotterneuerung in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts könnte sich das jedoch ändern und die Großräume eine Ergänzung bekommen. Wie genau die "abteilähnlichen Räume" aussehen sollen, steht laut Huber noch nicht fest. Denkbar sind zum Beispiel einfache Trennwände zwischen den Sitzreihen, aber auch ein Wiederaufleben der bekannten Sechser-Abteile, die jahrzehntelang das Bild der Fernreisezüge prägten. Sie boten den Reisenden unter anderem den Komfort, bei geringer Auslastung die Sitze auszuziehen und das Abteil in eine Liegelandschaft zu verwandeln.

In den vergangenen Jahren wurden immer mehr dieser Waggons ausgemustert. Für die Bahn bot das den Vorteil, auf gleicher Fläche mehr Plätze unterzubringen, zudem ist die Reinigung der Waggons mit Großräumen einfacher. Zudem verwies das Unternehmen auf eine geringer werdende Nachfrage nach Abteilplätzen in der Vergangenheit – dieser Trend hat sich offenbar umgekehrt.

Vor- und Nachteile der Abteile

Für die Passagiere bieten Abteile mehr Privatsphäre, insbesondere wenn sie nicht vollständig belegt sind oder Gruppen gemeinsam reisen. Alleinreisende kritisierten jedoch die beengten Verhältnisse in gefüllten Abteilen, insbesondere mit fremden Mitreisenden oder auf dem unbeliebten Mittelsitz.

Grundsätzlich geht Bahnvorstand Huber davon aus, dass der Einbruch des Geschäfts durch die Coronakrise wieder überwunden wird, sobald Reisen wieder leichter fällt. "Die Nachfrage wird viel schneller zurückkommen, als manche jetzt sagen." Die Bahn bleibe bei dem Ziel, die Zahl der Fahrgäste von 2015 bis 2030 auf 260 Millionen zu verdoppeln – und braucht dafür weitere neue Züge. Die Frage "Ist hier noch was frei?" nach dem Öffnen der Abteiltür auf der Suche nach einem Sitzplatz könnte mit ihnen ebenfalls eine Renaissance erleben.

mit DPA-Material

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