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Sperrung wichtiger ICE-Strecke Das Himmelfahrts-Kommando der Bahn


Eine Hiobsbotschaft für Bahnkunden: Ab dem 23. April soll die ICE-Strecke zwischen Hannover und Kassel gesperrt werden. Das hat gravierende Auswirkungen für Bahnfahrer - denn die Bauarbeiten kommen zur Unzeit.

Bei der Deutschen Bahn muss es erhebliche Probleme auf der Hauptschlagader des Hochgeschwindigkeitnetzes geben. Ausgerechnet an einem Wochenende, wo mit besonders vielen Reisenden zu rechnen ist, soll die ICE-Strecke an dem Nadelöhr zwischen Hannover und Kassel kurzfristig saniert werden: Es droht eine Vollsperrung.

Welche Verbindungen sind betroffen?

Bei dem laut "Süddeutschen Zeitung" (SZ) angekündigten Streckenabschnitt geht es um die wichtige Nord-Süd-Verbindung in der Mitte Deutschlands. Es handelt es sich um die ICE-Verbindungen zwischen Hamburg nach München und Frankfurt sowie zwischen Berlin und Frankfurt inklusive der bei Geschäftsleuten beliebten ICE-Sprinter-Züge zwischen Main und Spree.

Wann soll die ICE-Strecke gesperrt werden?

Im Rahmen des Instandhaltungsprogramms des deutschen Schienennetzes hatte die Bahn angekündigt, auf dem Abschnitt zwischen Hildesheim und Göttingen ab Mitte Juli bis Anfang September die Weichen und Gleise zu erneuern. Jetzt geht laut "SZ" aus einem internen Bahnpapier hervor, dass die Strecke Hannover-Kassel kurzfristig vom 23. April bis zum 8. Mai gesperrt werden soll.

Warum ist der Zeitpunkt der Sperrung so kritisch?

Die zweiwöchige Totalsperrung der Strecke kommt zur Unzeit: In fast allen Bundesländern sind wegen des Himmelfahtswochenendes am 6. Mai Schulferien - besonders viele Reisende werden deshalb zu einem Kurztrip unterwegs sein. Betroffen von der Sperrung sind auch Besucher der Hannover Messe, der weltweit bedeutendsten Industriemesse, die vom 25. bis 29. April seine Tore öffnet.

Sperrung wichtiger ICE-Strecke: Das Himmelfahrts-Kommando der Bahn

Welche Arbeiten sind erforderlich?
Der betroffene Abschnitt ist Teil der ältesten und mit 327 Kilometern damals längsten Schnellfahrstrecke der Bahn zwischen Hannover und Würzburg, die ab den 1970er Jahren gebaut wurde und Geschwindigkeiten von 280 Stundenkilometern erlaubt. Dazu gehören viele Tunnelbauwerke, die Werratalbrücke und der neue Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe. Angeblich muss der Schotteroberbau, auf dem Schwellen und Gleise liegen, saniert werden.

Welche Auswirkungen hat die Sperrung?

Täglich passieren 170 Fern- und Güterzüge dieses Nadelöhr. Diese Züge dürften umgeleitet werden. Auch könnte es zu einem Ausdünnen des Fahrplans kommen. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn rechnet von mit einer Verlängerung der Fahrzeit von einer Stunde. "Was wir als Kundenverband auch nicht verstehen ist, dass man hier Maßnahmen en détail sehr kurzfristig ankündigt", sagt Naumann.

Was sagt die Deutsche Bahn zur Streckensperrung?

Bisher nichts. Laut "Süddeutscher Zeitung" arbeitet die Bahn derzeit an Lösungen für den Fahrplan. Allerdings bestätigte das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) der Nachrichtenagentur DPA am Donnerstag die umfangreiche Streckensanierung. Die Bahn will sich im Laufe des Tages dazu äußern.

Gibt es Alternativen zur Bahn?

Ja, den Fernbus. Die Sperrung der wichtigen Nord-Süd-Strecke ist Wasser auf die Mühlen der Fernbusse, die allerdings auf den parallelen Bundesautobahn A7 mit den Kasseler Bergen wesentlich längere Fahrzeiten benötigen.

Durch die Verlängerung der Fahrzeiten dürfte für Reisende aus bzw. nach Hamburg, Hannover und Berlin auch ein Umstieg aufs Flugzeug infrage kommen, wenn sie auf längeren innerdeutschen Strecken unterwegs sind.


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